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Heute, 19.01.2017


Lesung mit Yoko Tawada

Der Hafen schaltet seine Leselampe an

Yoko Tawada
Be Yoko Tawada, Foto: Yves Noir
„Sieht ein Seepferdchen anders aus, wenn es nicht mehr ,tatsu-no-otoshigo´(das verlorene Kind des Drachen) heißt, sondern das kleine Pferd aus der See?“ Das ist eine dieser feinen Fragen, mit denen Yoko Tawada in ihrem neuen Essayband „akzentfrei“ (Konkursbuch Verlag) thematisiert, was es heißt, wenn man in einem „Netz der Sprachen“ schreibt und lebt.

Die Verwandlung als Echoraum der Existenz ist ein wiederkehrendes Motiv im umfangreichen Werk der Schriftstellerin, die 1960 in Tokio geboren wurde und 1979 nach Deutschland kam. In Hamburg studierte sie Literaturwissenschaften und wurde mit einer Arbeit über „Spielzeug und Sprachmagie in der europäischen Literatur“ promoviert. Die Liste der Literaturpreise, mit denen man sie in Japan wie in Deutschland ausgezeichnet hat, ist lang, zuletzt erhielt sie im November in Berlin den Kleist-Preis. Die Texte von Yoko Tawada, ob es nun Gedichte sind, Prosa oder Essays, haben gemeinsam, dass sie die von Konventionen verstellte Bedeutungsspur freiräumen, die uns ,Einsprachler´ gefangen hält, um im Befremden, im Sichten und Entschichten einen eigenen Blick zu entwickeln. Mit ihrem neu bei Konkursbuch erschienenen Band „aktzentfrei“ plädiert sie ausdrück¬lich für den Akzent, für „das Gesicht der gesprochenen Sprache“, erzählt aber auch von der Joghurtkultur, von „Transibirischen Rosen“ oder von „Roland Barthes als Spielbühne“. Ebenfalls neu ist der hochpoetische Prosatext „Ein Balkonplatz für flüchtige Abende“ (Konkursbuch Verlag), in dem die Loreley sich im Fluss irrt und an der Elbe strandet, in Hamburg, wo der Hafen seine Leselampe anschaltet, Elsa vor sich hinsummt, ein Baby „im Wort Babylon schläft“, „sich eine böse Stunde in die schönste Chaussee der Welt schleicht“, während „Därmen und Herren“ im „traditionellen Festsaal“ der „Amselstadt“ begossen werden. Doch das liegt natürlich nur an der Akustik. Es ist fast ein Hamburg-Roman, den Yoko Tawada da geschrieben hat, eine Liebesgeschichte ist es allemal und eine hochpoetische Exkursion über Veränderung auch.
Yoko Tawada liest im Literaturhaus aus „Ein Balkonplatz für flüchtige Abende“ und aus „akzentfrei“. Moderation: Jana Halamickova.

Literaturzentrum im Literaturhaus, Schwanenwik 38, 19.30 Uhr, 7.-/4.- Euro.


Lesung und Gespräch

„Berditschew – einst Russlands jüdischste Stadt“


Berditschew

Berditschew 1901
Als bedeutender Handelsplatz und jüdischste Stadt Russlands wurde Berditschew im 19. Jahrhundert zu einem Zentrum der jiddischen Literatur. Martin Buber verewigte die Stadt in den „Erzählungen der Chassidim“ und Wassili Grossman bezeugte in „Leben und Schicksal“ das Schicksal der Berditschewer Juden im Holocaust.
Brigitte von Kann und Wolf-Dietrich Sprenger begeben sich beim Jüdischen Salon auf eine literarische Spurensuche in Berichten, Texten und Bildern. Gastgeber des Abends ist Andreas Heller.

Jüdischer Salon im Café Leonar, Grindelhof 59, 20.00 Uhr, 10.-/7.50 Euro.


Lesung

„Mein Großvater stand vorm Fenster und trank Tee Nr. 12“

Naomi Schenck liest aus ihrem Porträt einer bürgerlichen Fami¬lie in Deutschland im 20. Jahrhundert.

stories! Die Buchhandlung, Straßenbahnring 17, 19.30 Uhr.