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Mittwoch 21.06.2017


Lesung mit Harald Martenstein

Sex, Kinder, Tiere und Nazis

Harald Martenstein
Harald Martenstein, Foto: Bertelsmann Verlag
Seine Kolumnen sind so vielseitig wie es das Leben vorschreibt. Und witzig, nachdenklich, sarkastisch, skurril, manchmal wütend, das sind sie auch. Nett ist der Kult-Kolumnist, preisgekrönte Autor und Humorist Harald Martenstein dagegen nicht. Jedenfalls nicht in seinen Kolumnen. Davon hätte ja auch niemand was. Seit einigen Jahren erntet er immer wieder sogar Hasstiraden. Doch „Nettsein ist auch keine Lösung“, wie schon der Titel seines neuen Sammelbandes mit „Einfachen Geschichten aus einem schwierigen Land“ annonciert. Zum literatur altonale stellt Harald Martenstein seine neue Kolumnensammlung mit „einfachen Geschichten aus einem schwierigen Land“ im stilwerk vor.

Zum Auftakt seiner „einfachen Geschichten“ unternimmt Harald Martenstein eine „Standortbestimmung“, die man als ganz schön nüchternes Resümee des Kolumnisten lesen kann, der seit einigen Jahren nicht nur seinen Lebensalltag, Frauen und Männer, „Sex und Nudelsiebe“ thematisiert, sondern sich auch zu Themen wie „Gender, politische Korrektheit und Feminismus“ äußert. Er ist „da so hineingeschlittert“, ahnungslos wie er war. Und er hat es mit „verbissenen Leuten“ zu tun bekommen und die Erfahrung gemacht, dass es Themen gibt, die in der Presselandschaft mit großer Vorsicht behandelt werden. In der darauf folgenden Kolumne philosophiert er dann zuerst einmal meisterhaft über Katzen mit Hitlerbärten und freut sich darüber, dass er vier Paradethemen auf nur zweieinhalb Seiten unterbringen durfte: Sex, Kinder, Tiere und Nazis.
So kuschelig geht es dann natürlich nicht weiter, egal, ob er über „Missionare“ schreibt, über „Gott“, das „Fasten“, „Intelligenz“, „Nichtschwimmer“ und „Arschlöcher“, er eckt gerne an, der Harald Martenstein. Und provoziert damit Widerspruch und Belehrung. Bei vielen Kolumnen hat er einen oder mehrere Kommentare aus dem Internet mit ins Buch aufgenommen. Auf „lobende Kommentare“ hat er dabei „schweren Herzens“ verzichtet. Deshalb stehen da dann oft Sachen wie: „Prototyp des privilegierten Ignoranten“ (Townsville) oder „verwirrter reaktionärer Bourgeois“ (Profi-Trollerin). Richtig freundlich ist dagegen noch ein Kommentar wie dieser: „„Erinnert stark an Kishon“. Da braucht man dann nur noch ergänzen: „Das sind wir von Ihnen ja gewohnt“ („Cherrypicker“).

literatur altonale im stilwerk, Große Elbstr. 68, 20.00 Uhr, 10.- Euro. Karten unter www.altonale.de/literatur oder an der altonale Infobox auf dem Spritzenplatz in Ottensen.