Mittwoch 11.09.2019


Lesung mit Mirko Bonné

»Neue Literatur im alten Gewölbe«

Mirko Bonné
Mirko Bonne, Foto: Jürgen Abel
Zum Auftakt der Lesereihe »Neue Literatur im alten Gewölbe« liest Mirko Bonné aus seinem Gedichtband »Wimpern und Asche« und neue Gedichte. Moderation: Peter Engel und Veronika Klosa.

Mirko Bonné ist in seinem Gedichtband dem Leben auf der Spur. Und die Natur ist der Ereignishorizont, der es in allen seinen Gedichten offenbart, von der ersten Zeile des Auftaktgedichts, in dem der junge Dichter im »Sommer, Frühling, Winter, Herbst« mit seinem »Hund über die Gleisschwellen« in Escheburg bei Hamburg spaziert und »die Fasane bei Gryphius« entdeckt, bis zum bilanzierenden Schlussakkord, einer Reminiszenz an das titelgebende Gedicht »Wimpern und Asche«: »Ich zähle alles, was da ist, / zusammen und komme auf / nichts. Ich zähle und zähle Asche, / zähle Wimpern, Blicke, Boote, Möwen, / ich komme auf nichts.« Zwölf Kapitel gruppieren sich in dem Band um dieses Gedicht, in dem Hamburg auf einer Strecke von neun Seiten zur Weltbühne für eine Veränderung von erdgeschichtlicher Dimension wird. Es geht um die Vermüllung durch Plastik, in der Geowissenschaftler den Wendepunkt zum Anthropozän, dem Zeitalter des Menschen sehen, weil es sich in winzigen Partikeln als »flüssige Asche« und in »winzigen Wimpern« rund um den Planeten in einfach alles einfrisst. Der zentrale Zyklus beginnt unscheinbar als Geschichtsreportage über die Binnen- und Außenalster, die sich mit der Reise von »drei Plastikkanistern« ins Meer in ein Essay über Plastik und Poesie verwandelt, um schließlich in einer grandiosen »Plastikmüll-Elegie« (Helmut Böttiger) aufzugehen. In ihren genau gesetzten Tempi, ihren raschen Wechseln zwischen Bericht, Naturbeobachtung und rasender Aufzählung steht dieses Klagegedicht quer zu allen gängigen Vorstellungen darüber, wie und was Poesie heute kann und zu sein habe.
Mirko Bonné, der vor allem mit seinen Romanen bekannt wurde, definiert hier sein eigenes Format, wobei ihm das auch in mehreren anderen Gedichten seines sechsten Sammelbandes meisterhaft gelingt.

Haus der Patriotischen Gesellschaft, Säulenkeller, Trostbrücke 4, 19.00 Uhr, Eintritt frei