Mathias Enards neuer Roman »Das Jahresbankett der Totengräber«

Donnerstag 28.10.2021


Lesung mit Gerhard Henschel

»Schauerroman«




Gerhard Henschel liest aus dem neuen Roman seines großen autobiografischen Zyklus über die Abenteuer seines Alter Ego Martin Schlosser, der im neunten Teil des Mammutprojektes immer noch ein überzeugter Single ist und auf Helgoland mit Max Goldt und Rattelschneck um die Häuser zieht. Moderation: Andreas Platthaus.

Auf den „Jugendroman« (2009), in dem Martin Schlosser zu neuen Abenteuern aufbricht, die ihn tief in die Gräuel der Pubertät hineinführen, folgte der „Liebesroman« (2010), in dem wir Schlosser durch zwei Jahre voller Schikanen, Herzensnöte und wachsender Zweifel am Sinn des Lebens begleiten dürfen, der „Abenteuerroman« (2012) erzählt von einem fast erwachsenen Martin Schlosser und dem Unglück zermürbender Beziehungsdiskussionen, während der „Bildungsroman« (2014) im Jahr 1983 vom beginnenden Studentenleben Martin Schlossers erzählt, der sich für ein Studium der klassischen Taxifahrerfächer Germanistik, Soziologie und Philosophie entschieden hat, was ihm genügend Zeit für eine Affäre lässt, die sein Leben dann für immer verändert.
Im „Künstlerroman« (2015) finden wir Schlosser Mitte der achtziger Jahre noch immer verliebt, doch ohne fest umrissenen Lebensplan, er reist Martin nach Paris, Madrid und Nartum, er bewältigt mehrere Umzüge und wird in Brotjobs bei Tetra Pak, Uniroyal und Edeka gezwungen. Im »Erfolgsroman« (2018) ist nun endlich in einem anderen Leben angekommen: Weil Zeitschriften und Zeitungen seine Texte drucken, kann Martin Schlosser endlich vom Schreiben leben und geht als Reporter auf Reisen. Erfolgreich ist Martin Schlosser auch im »Schauerroman«, der in diesem Herbst bei Hoffmann und Campe erschienen ist, doch ist heißt noch lange nicht, dass sein Leben in geordneten Bahnen verläuft:
In der Kreuzberger Wohngemeinschaft des dreißigjährigen Schriftstellers Martin Schlosser geht es drunter und drüber, aber seine ersten Bücher sind in Arbeit, und ihm lacht das Glück. Er zieht um die Häuser, tummelt sich mit Max Goldt und Rattelschneck auf Helgoland, freundet sich mit Eckhard Henscheid an, singt zu seiner eigenen Verwunderung eines Nachts Hand in Hand mit der Streetworkerin Domenica Niehoff im Vollmondschein einen Kanon und lernt auf seinen Lesereisen die neuen Bundesländer von ihren schwärzesten Seiten kennen. Nebenbei verliebt er sich immer öfter und bleibt trotzdem ein überzeugter Single, der die Pärchenbildung als Irrweg der Evolution betrachtet. Im Herbst 1993 tritt Martin Schlosser in Frankfurt in die Redaktion des Satiremagazins Titanic ein. Damit beginnt für ihn ein neues Leben, während seinen verwitweten Vater in der emsländischen Kleinstadt Meppen allmählich die Kräfte verlassen und ein schauerliches Ende naht.

Literaturhaus, Schwanenwik 38, 19.30 Uhr, € 12,–/8,–, Streamingticket: € 5,–, Livestream und Tickets: www.literaturhaus-hamburg.de





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