Montag 04.05.2026


Sprechende Bilder

Hamburger Graphic Novel Tage

Coverauszug: David Prudhomme (07.07.), »Rembetissa« © Reprodukt
Die Hamburger Graphic Novel Tage sind eines der schönsten Festivals im Hamburger Kulturjahr. Das sehr akzentuierte und international hochkarätig besetzte Programm zeigt in wenigen Veranstaltungen nicht nur die Vielfalt der Comickultur, sondern auch, wie einzigartig das Genre, dessen Ursprünge bis in die Antike zurückgehen, all das übersetzt, was uns heute so umtreibt. Kuratiert wird das Festival von Andreas Platthaus, verantwortlicher Feuilletonredakteur für Literatur bei der FAZ.

Gleich zum Auftakt ist der US-amerikanische Zeichner und Cartoonist Paul Karasik (04.05.) mit der grandiosen Comic-Adaption von Paul Austers New-York-Trilogie zu Gast. Es war eine Revolution für die Literatur, als der Roman »Stadt aus Glas« von Paul Auster 1984 als Comic erschien, gezeichnet von David Mazzucchelli und konzipiert von Paul Karasik. Für den zweiten Band der berühmten Trilogie engagierte Karasik den italienischen Altmeister Lorenzo Mattotti, den dritten Band »Hinter verschlossenen Türen« hat Karasik nun selbst gezeichnet. Der im letzten Herbst bei Reprodukt erschienene, 400 Seiten umfassende Sammelband der Trilogie ist ein Meisterwerk, das in klassischen Detektivgeschichten die Frage danach aufwirft, was das Menschsein ausmacht und bestimmt. Paul Karasik gastiert zusammen mit der Berliner Zeichnerin Katia Fouquet (04.05., 19.00 Uhr) bei dem Festival, die mit der Erzählung »Jonas oder der Künstler bei der Arbeit« von Albert Camus eine ähnlich komplexe literarische Vorlage adaptiert hat und vorstellen wird.

Mit ihrem Recherchecomic »Mein Freund Kim Jong-un« (Avant) ist am zweiten Festivalabend die vielfach ausgezeichnete südkoreanische Comiczeichnerin und Autorin Keum Suk Gendry-Kim (05.05., 18.30 Uhr) zum Thema »Krieg und Kriegsgefahr« zu Gast, im Anschluss geht es mit Isabell Maroger und Bianca Schaalburg um »Dunkle Geheimnisse in der Familie«.

Beim schon traditionellen Hamburg-Abend des Festivals, der von Sascha Hommer kuratiert wird, stellen Finja Frank, Nora Borkenhagen und Maj-Britt Eichstädt (06.05.) ihre Comicdebüts vor. Zum Abschluss der Festivalkernzeit gibt es im Nachtasyl ein ganz besonderes Gipfeltreffen: David Prudhomme und Reinhard Kleist (07.05., Nachtasyl, 19.00 Uhr) treffen sich zum Thema »Musik zeichnen«, im Anschluss verbindet Joscha Baltes Gesang, Klavier und elektronische Klänge zu einem genreübergreifenden Sound und Reinhard Kleist zeichnet live dazu.

Ein Festival-Höhepunkt wird schließlich noch im Nachklapp der Festival-Spielzeit angekündigt: Die Comiclegende Alison Bechdel stellt ihren neu erschienenen Comicroman »Kaputt« vor – eine persönliche Bestandsaufnahme der unmittelbaren amerikanischen Gegenwart.

Literaturhaus, Schwanenwik 38, 19.00 Uhr, Einzelticket ab € 12,–/8,–, Streaming € 6,–, Streamingpass € 15,–/ freier Eintritt für Auszubildende, Studierende und Schüler:innen an der Abendkasse