Mittwoch 05.08.2026


Internationales Sommerfestival 2026

Gesellschaftliche Krisen, historische Brüche und zukünftige Möglichkeiten

Mit »Irresistible Revolution« von Ayelen Parolin wird das Sommerfestival eröffnet. Die argentinische Choreografin aus Brüssel zeigt eine Hommage an den exzessiven Karneval ihrer Kindheit in Buenos Aires. Foto: Stanislav Dobak
Gegenwart nicht nur abzubilden, sondern herauszufordern, das ist der programmatische Ausgangspunkt des Internationalen Sommerfestivals auf Kampnagel. Vom 5. bis zum 23. August gastieren Künstler:innen, Musiker:innen und Performer:innen auf Kampnagel, die sich mit gesellschaftlichen Krisen, historischen Brüchen und zukünftigen Möglichkeiten auseinandersetzen – mal laut und exzessiv, mal intim und poetisch, immer aber mit dem Anspruch, neue Perspektiven zu öffnen.

Im Mittelpunkt des diesjährigen Programms stehen zahlreiche Uraufführungen, internationale Koproduktionen und eigens für Hamburg entwickelte Arbeiten. Dabei treffen prägende Künstler:innen der Festivalgeschichte auf neue Stimmen, die erstmals auf Kampnagel zu erleben sind. »Die eingeladenen Künstler:innen reagieren nicht mit Resignation auf die Gegenwart, sondern verändern sie und lassen sich dabei von der Hoffnung auf eine bessere Zukunft leiten«, sagt András Siebold, Künstlerischer Leiter des Internationalen Sommerfestivals. Das Motto des Festivals ist deshalb »hope!«

Zu den bekanntesten Namen im diesjährigen Programm gehört die argentinische Choreografin Ayelen Parolin, die nach ihrem gefeierten Sommerfestival-Erfolg 2024 mit einer neuen Tanzarbeit zurückkehrt. In »Irresistible Revolution« verbindet sie die Bildwelten des argentinischen Straßenkarnevals mit choreografierten Protestformen und entfaltet daraus ein Gruppenstück zwischen Rausch, Humor und Widerstand.

Auch (LA)HORDE und das Ballet national de Marseille sind erneut auf Kampnagel zu Gast. Das französische Kollektiv zeigt mit »Après moi, le déluge« eine neue Arbeit über gesellschaftliche Ausnahmezustände und das Bedürfnis nach Veränderung.
Zum Abschluss des Festivals übernimmt Christoph Marthaler die große Kampnagel-Halle: Gemeinsam mit den Symphonikern Hamburg unter der Leitung von Sylvain Cambreling entwickelt er eine Gala zum Beginn der anstehenden Kampnagel-Sanierung – als theatrale Übergangsfeier zwischen Vergangenheit und Zukunft.

Besonders stark vertreten sind 2026 internationale Uraufführungen und Koproduktionen: Joana Tischkau entwickelt gemeinsam mit Jeremy Nedd, Sophie Yukiko und der kubanischen Malpaso Dance Company die neue Produktion »Trapicana«, die auf Kampnagel erstmals gezeigt wird und sich mit touristischen Blickregimen, Revuekultur und kultureller Projektion auseinandersetzt.
Mit »And From Their Hair, Unending Forest« präsentiert Adam Seid Tahir ebenfalls eine Weltpremiere auf Kampnagel. Der dänisch-äthiopische Künstler entwirft darin eine poetische und körperliche Neuinterpretation nordischer Mythologien aus Schwarzer und queerer Perspektive.

Über Kampnagel hinaus erweitert das Festival wieder seine Kooperationen mit Hamburger Institutionen. In Zusammenarbeit mit der Hamburger Kunsthalle wird Nan Goldins »The Ballad of Sexual Dependency« auf Kampnagel gezeigt, begleitet von Performances und Interventionen verschiedener Künstler:innen.

Auch der öffentliche Raum wird Teil des Festivals: Projekte im Hafen, in Museen, Kirchen und auf urbanen Freiflächen schaffen neue Begegnungen zwischen Kunst, Stadtgesellschaft und Publikum. Der Avant-Garten bleibt dabei das soziale Zentrum des Festivals – mit täglichen Konzerten, Gesprächen, Lesungen und DJ-Sets. Für Lesungen zu Gast sind u.a. Alice Hasters, Evan Hugo Tepest, Özge Inan, Shahed Ezaydi und Don Pablo Mulemba.

Kampnagel, Jarrestr. 20