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Dienstag, 12.06.2018


Lesung mit Milena Michiko Flašar

Das ganze Blau des Himmels

Milena Michiko Flasar
Milena Michiko Flašar, Foto: Helmut Wimmer
In ihrem eher leisen und von einer zarten Melancholie getragenen neuen Roman führt Milena Michiko Flašar mit ihrem Protagonisten Herrn Kato mitten ins Herz der Finsternisse einer Lebenskrise. Es geht um die Flüchtigkeit des Glücks und die alles entscheidende Frage, was dagegen hilft. Ein Wundermittel gibt es auch in »Herr Katō spielt Familie« (Wagenbach Verlag) nicht, aber der Roman propagiert als heilsame Methode, es mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen. Das ist der Literatur immanent und im Leben manchmal vielleicht der einzige Weg, sich neu zu erfinden. Oder doch wenigstens, sich glaubhaft etwas vorzumachen. »Wir lügen nicht, um die Wahrheit zu verfälschen«, ist eine wichtige Erkenntnis von Herrn Kato, »sondern um sie zu berichtigen.«

Schon der höchst erfolgreiche Roman »Ich nannte ihn Krawatte« (2012) von Milena Michiko Flašar, die 1980 in St. Pölten als Tochter einer japanischen Mutter und eines österreichischen Vaters geboren wurde, spielt in Japan, wo die Zugehörigkeit zu einem sozialen Umfeld eine besonders große Bedeutung hat. In »Herr Katō spielt Familie« begegnen wir einem Rentner, der gerade erst aus seinem sozialen Lebensgefüge gefallen ist und in einem viel zu großen Haus alleine mit seiner Frau in einem namenlosen Vorort lebt. Mehrere Jahrzehnte hat er seine Zeit von früh bis spät in der Firma und mit seinen Kollegen verbracht, die Kinder sind ohne ihn groß und seine Frau ist ihm darüber fremd geworden. Er hat ihr einmal ein Leben versprochen, »das wie Tanzen wäre«. Jetzt geht sie ins Fitnessstudio und macht »Ballett für Ältere«, weil es mit ihm zu Hause nicht auszuhalten ist. Er fragt sich, ob es das schon gewesen ist und zieht bei ausgedehnten Spaziergängen eine Lebensbilanz, die in summa vor allem Versäumnisse und unerfüllte Träume auflistet. In Paris ist er nicht gewesen und nicht in den Süden gezogen, noch nicht einmal einen Spitz hat er sich als Familienhund zugelegt. So richtig in Fahrt kommt der Roman als Herr Katō eines Tages eine junge Frau kennenlernt: Mie behauptet von sich, »die Grundlage von Glück zu verkaufen« und heuert ihn für ihre Agentur »Happy Family« an, die den Menschen dabei hilft, sich zugehörig zu fühlen. Und Herr Katō kann das ganz wunderbar, er schweigt, wenn er mit einer Frau unterwegs ist, die ihr Mann nie zu Wort kommen lässt, er ist für einen Nachmittag ein netter Großvater und schließlich als Chef bei der Hochzeit einer jungen Frau zu Gast. Er lügt das Blaue vom Himmel herunter: »Was ist schon wahr, fragt er sich, und was nicht? Kein Zaun trennt das eine vom anderen. Und wenn doch, dann gibt es Schlupflöcher.« Durch eines dieser Schlupflöcher entkommt Herr Kato am Ende. Nach Paris schafft er es zwar nicht, aber er hat immerhin gelernt, dass es vielleicht völlig ausreicht, wenn man sich einbildet, das Lächeln der Mona Lisa gesehen zu haben.

Literaturhaus, Schwanenwik 38, 19.30 Uhr, € 12,–/8,–


Lesung

»Der Geschichtenhändler«

Stanislaw Strasburger liest aus seinem neuen Roman.

literatur altonale, Literaturzentrum und DPG Hamburg e.V. in der W3, Nernstweg 32-34, 20.00 Uhr, Eintritt nach Wunsch.


Lesung

»Kesseltreiben«

Dominique Manotti liest aus ihrem neuen Roman. Moderation: Iris Konopik.

Buchladen Osterstraße, Osterstraße 171, € 7,–


Podium

»50 Jahre 68«

Die Schriftstellerin Barbara Sichtermann, der Historiker Per Leo und der Rechts- und Politikwissenschaftler Ulrich Klaus Preuß sprechen über die Ideen von »68« und die aktuelle Krise der Demokratie. Moderation: Kirsten Heinsohn.

KörberForum, Kehrwieder 12, 19.00 Uhr, Eintritt frei. Um Anmeldung unter www.koerber-stiftung.de wird gebeten.


Rezitation und Musik

»Echt verboten!«




Ringenlatz-Abend mit Achim Amme (Rezitation, Gitarre und Gesang) und Ulrich Kodjo Wendt (Akkordeon).

Ohlendorffsche Villa, Im Alten Dorfe 28, 20.00 Uhr