Heute, 05.10.2026


Lesung mit Yang Shuang-zis

»Das Taiwan-Tagebuch«

Yang Shuang-zi
Yang Shuang-zi, Foto: YJ Chen
Es ist eine der ungewöhnlichsten Neuerscheinungen des Bücherjahres und eine Entdeckung: »Das Taiwan-Tagebuch« (DuMont) von Yang Shuang-zi wurde im Original 2020 veröffentlicht, ist dann in Japan und in den USA erschienen und wurde mit jeder neuen Übersetzung auch ausgezeichnet. In diesem Jahr erhielt der Roman den renommierten International Booker Prize und ist in mehreren weiteren Sprachen erschienen. Karin Betz hat ihn aus dem Chinesischen, Taiwanischen und Japanischen ins Deutsche übersetzt. Zum Harbour Front Literaturfestival stellt Yang Shuang-zi ihren Roman vor. Moderation: Achim Kehlenbach. Die Lesung findet in Mandarin und mit deutscher Übersetzung statt.

Die lange Übersetzungsgeschichte von »Das Taiwan-Tagebuch« ist auch deshalb so verblüffend, weil es selbst, wie die Übersetzerin Karin Betz in ihrem Nachwort erklärt, ein Roman über »die Macht und Möglichkeiten der Übersetzung und das durch sie vermittelte Weltverständnis« ist. Die taiwanesische Autorin Yang Shuang-zi hat ihren Roman als Übersetzung eines wiederentdeckten Reisetagebuchs der japanischen Schriftstellerin Aoyama Chizuko getarnt, kommentiert und mit mehreren fiktiven Nachworten und Vorbemerkungen von Editionen und Übersetzungen versehen. Das Tagebuch selbst erzählt von Chizukos Reise durch das von Japan kolonialisierte Taiwan. Sie will möglichst viel vom echten Leben mitkriegen und vor allem die authentische Küche des Landes kennenlernen. Als Glücksfall erweist sich dabei die charmante Dolmetscherin und begnadete Köchin Chizuru. Während den langen Zugfahrten durch Taiwan entwickelt sich bald auch eine Liebesgeschichte zwischen den Reisegefährtinnen, doch etwas veranlasst Chizuru stets auf Distanz zu bleiben. Erst nach einer schmerzvollen Trennung beginnt Chizuko zu begreifen, dass auch ihr eigenes Begehren von den kolonialen Machtverhältnissen geprägt ist.

Harbour Front Literaturfestivalin der St. Pauli Kirche, Pinnasberg 80, 19.30 Uhr, € 24,95


Lesung mit Andrea Wulf

»Der Reisende«

Andrea Wulf
Andrea Wulf, Foto: Antonina Gern
Andrea Wulf liest aus ihrem Buch über »Georg Forster und die Entdeckung der Menschlichkeit«, in dem sie gestützt auf einen immensen Fundus an Quellen und die umfangreiche Korrespondenz Forsters, das lebendige Porträt eines leidenschaftlichen, freien Geistes zeichnet, der sein Leben lang danach strebte, das zu finden, was uns alle verbindet.

Georg Forster war seiner Zeit weit voraus: Bereits als junger Mann bereiste er die entlegensten Winkel der damals bekannten Welt und stellte mit seinen Ideen zu Menschlichkeit und Freiheit die europäischen Weltanschauungen des 18. Jahrhunderts radikal infrage. Von seiner Weltumsegelung mit James Cook brachte er den unerschütterlichen Glauben an die Gleichheit aller Menschen zurück. Seine Einsichten und seinen Ruhm nutzte Forster, um gegen Imperialismus, Rassismus und Sklaverei zu kämpfen. Immer wieder geriet er dadurch mit den Vorstellungen seiner Zeit – und den Autoritäten – in Konflikt. Angesteckt von den Ideen der Französischen Revolution, wurde Foster schließlich Anführer der kurzlebigen Mainzer Republik.

Harbour Front Literaturfestival im Nica Jazz Club, Alter Wall 20, 19.30 Uhr, ab € 25,–


Comic-Lesung

»Die Frau als Mensch II. Schamaninnen«




Im letzten Jahr wurde der erste Band des Comics über Frauen in der fernen Geschichte als erster Comic überhaupt mit dem Deutschen Sachbuchpreis ausgezeichnet, jetzt ist mit »Schamaninnen« der zweite Band erschienen. Ulli Lust führt in dem Buch durch Jahrtausende weiblichen Wirkens. Im Literaturhaus stellt sie das Buch vor, in dem Rentiere mal eben noch ein paar Fliegenpilze naschen, ehe sie der nahenden Kälte entfliehen, ihnen voraus eine Gruppe Nomad:innen. Auf ihrem Weg ins Winterlager unternehmen sie eine letzte große Jagd. Kinder werden geboren, andere sterben, die Venus von Willendorf wird geschaffen. Doch zeigt sie wirklich eine Göttin? Oder war sie ein Werkzeug der Schamanin zur Reise durch Geisterwelten? Neben Ulli Lust präsentierten auch Studierende der HAW ihre neuen Comics über die Geschichte der Villa Schwanenwik, die heute das Literaturhaus beherbergt.

Moderation: Ekaterini Iosifidou und Maria Krause.

Literaturhaus, Schwanenwik 38, 19.30 Uhr, € 14,–/10,– /Streaming € 6,–


–Eine Bühne für den Kurzkrimi

»Hamburger Kurze «

In der Reihe lesen Franziska Henze, Regina Schleheck und Regula Venske kriminelle Kurzgeschichten. Moderation: Ines Müller-Hansen.

Verein Kunststoff in der Alten Druckerei Ottensen, Bahrenfelder Str. 73, 19.00 Uhr, € 14,– (AK) / 12,– (VVK), Reservierung: spannung@kurzkrimifestival.de


Buchpräsentation

»Undercover unter Nazis« und »Wenn der rechte Rand regiert«

Angelique Geray und Sally Lisa Starken lesen aus ihren Büchern

Harbour Front Literaturfestival im Helmut-Schmidt-Auditorium der Bucerius Law School, Jungiusstraße 6, 19.30 Uhr, € 34,95


Lesung mit Christiane Hoffmann und Nino Haratischwili

»Europa, wach auf! « und »Die Träume, die wir hatten«

Lesung und moderiertes Gespräch mit Christiane Hoffmann und Nino Haratischwili.

Harbour Front Literaturfestival in der Laeiszhalle, Johannes-Brahms-Platz, 19.30 Uhr, € 24,95


Lesung mit Jenny Erpenbeck

»Heimsuchung«

Jenny Erpenbeck stellt ihren zusammen mit der Schauspielerin Martina Gedeck vor. Moderation: Knut Elstermann.

Harbour Front Literaturfestival in der Elbphilharmonie, Kleiner Saal, Platz der Deutschen Einheit, 19.30 Uhr, € 34,95


British Evening

»How to be a Hamburger«

British Evening with Mark Lyndon.

Harbour Front Literaturfestival in der Rathauspassage Hamburg, Rathausmarkt 3, 19.30 Uhr, 28,50


Lesung mit Rainer Moritz

»Die Farben von Paris«

Rainer Moritz, Foto: Gunter Glücklich
Rainer Moritz stellt seinen neuen Roman »Die Farben von Paris« vor, in dem er vom Leben der französischen Impressionistin Berthe Morisot erzählt. Der Publizist und langjährige Leiter des Hamburger Literaturhauses Rainer Moritz lässt sie selbst zu Wort kommen, als sie 1895 mit Mitte fünfzig den nahenden Tod spürt, sich noch einmal an die entscheidenden Zäsuren ihres Lebens erinnert und sich letztlich entschließt, ihr großes Geheimnis endlich zu enthüllen.

Rodney Rosenfeld ist Kunsthistoriker an einer nordamerikanischen Universität und hat sich dem französischen Impressionismus verschrieben. Vor allem fasziniert ihn Berthe Morisot, die vielleicht bedeutendste Malerin des 19. Jahrhunderts. Ein Stipendium bringt Rosenfeld nach Paris, wo er sich eigentlich mit Morisots Aquarellen beschäftigen soll, doch mehr und mehr in den Bann ihrer Biografie gerät. Wer war diese Frau, die entgegen der Skepsis ihrer Eltern an ihrer Berufung als Künstlerin festhielt? Die sich lange scheute, eine Ehe einzugehen, sich in ihren Kollegen Édouard Manet verliebte und schließlich dessen Bruder heiratete?

Buchhandlung Wassermann, Erikastraße 4, 19.30 Uhr, € 20,–


Booktalk

»Wait For Me in Willow Falls« und »Curseborn«

Booktalk mit Greta Milán und Celine Leonora.

Harbour Front Literaturfestival in der Thalia Buchhandlung im Überseequartier, New-Orleans-Str. 6, 19.30 Uhr, € 25,–


Lesung

»Mark Twain – Grüße aus dem Jenseits«

Ulrich Tukur präsentiert ein musikalisches Soloprogramm mit unbekannten Texten von Mark Twain. Textfassung und Regie: Wolfgang Stockmann. Moderation und Gespräch: Joachim Lux.

Harbour Front Literaturfestival, Deutsches Schauspielhaus, Kirchenallee 39, 20.00 Uhr, € 29,–/14,50


»Roter Salon«

»Passagiere – Klasse, Geschlecht und ›Rasse‹ auf der Eisenbahnreise des 19. Jahrhunderts«

Im 19. Jahrhundert wird die Eisenbahn zum „Treffpunkt der guten (und manchmal weniger guten) Gesellschaft“ (Walter Jens). Vom König bis zum einfachen Rekruten, vom Industriemagnaten bis zur Fabrikarbeiterin – fast alle sind gelegentlich mit der Eisenbahn unterwegs. Niklas Weber, Historiker und Kulturwissenschaftler, untersucht diese Praktiken der Trennung und ihren Wandel. Er beleuchtet die Diskurse und Erzählungen, die sich daran angeschlossen haben: vom Antagonismus der Klassen und sozialer Mobilität, von der Liebe auf den ersten Blick und sexueller Gewalt, von rassistischen Diskriminierungen und antisemitischen Epiphanien.

Der Rote Salon ist ein 2024 vom Journalisten Michael Hopp gegründetes Veranstaltungsformat, das politische Literatur im Gespräch mit den Autor:innen vorstellt. Der Eintritt ist frei, um Spende wird gebeten. Anmeldung unter: www.roter-salon-hamburg.de.

Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, Ossietzky-Forum, Von-Melle-Park-3, 18.30 Uhr, Eintritt frei


Gläserne Übersetzer:innen

»Wie ›Love‹ zu ›Liebe‹ wird. Romance und New Adult übersetzen«

Das Übersetzen von Genreliteratur und gerade von Liebesromanen wird traditionell im Literaturbetrieb schlechter entlohnt. Aber ist es wirklich so einfach? Die mannigfaltigen Hürden, die den Übersetzer:innen dabei begegnen können, werden von Alexandra Kranefeld und Inka Marter an ein paar wildromantischen Textbeispielen erklärt. Moderation: Ingo Herzke.

Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, Vortragsraum, Von-Melle-Park-3, 18.30 Uhr, Eintritt frei


Poetry Slam

Poetry Slam Eimsbüttel

Newcomer und erfahrene Slammerinnen messen sich bei diesem klassischen Poetry Slam im Birdland.

Kampf der Künste im Birdland, Gärtnerstr. 122, 19.00 Uhr, € 14,–


Museum der Arbeit

Offene Werkstatt: Buchbinden

Besucher des Museums erfahren in einer offenen Werkstatt, wie sie ihr altes Lieblingsbuch retten können, oder bekommen Unterstützung bei der Planung eigener, kleiner Buchbindeprojekte.

Museum der Arbeit, Wiesendamm 3, 17.00 Uhr, Museumseintritt plus Materialkosten


Museum der Arbeit

Offene Werkstatt: Buchdruck

Die Offene Werkstatt hat eine lange Tradition und ist besonders beliebt bei allen, die das Museum bei der Arbeit erleben wollen. Ehemalige Setzer und Drucker sowie angelernte Kolleginnen und Kollegen geben einen Einblick in ihren früheren Arbeitsalltag und helfen bei der Herstellung eigener kleiner Drucksachen.

Museum der Arbeit, Wiesendamm 3, 18.00 Uhr, Museumseintritt plus Materialkosten



Aktuelle Buchempfehlungen


29.09.2026 | Literatur in Hamburg
Dana Vowinckels neuer Roman »Anton und Alma«

Für jede Sekunde des Lebens

Dana Vowinckel
Dana Vowinckel, Foto: Max Zerrahn
Schon für ihren brillanten Debütroman »Gewässer im Ziplock« (2023) wurde Dana Vowinckel mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Mara-Cassens-Preis des Hamburger Literaturhauses. In diesem Herbst ist nun »Anton und Alma« (Suhrkamp) erschienen, ein herausragender Gegenwartsroman, nominiert für den Deutschen Buchpreis und ein großes Leseerlebnis.


29.09.2026 | Literatur in Hamburg
Ronja von Rönnes neuer Roman »Alles Liebe«

Wenn Lügen lange Beine haben

Ronja von Rönne
Ronja von Rönne, Foto: Carolin Saage
Ein Ereignis ist der neue Roman »Alles Liebe« (DTV) von Ronja von Rönne vor allem durch den temporeichen Stil, den Humor und die Beiläufigkeit, in der so zentrale menschliche Narrative wie Lüge, Wahrheit und Liebe entzaubert werden. Die Journalistin, Moderatorin und Schriftstellerin versammelt dafür ein Figurenensemble, das sich für Aufmerksamkeit und Nähe in einem Lügengespinst verirrt. Doch was ist schon falsch, was verwerflich, was kriminell und was nur allzu menschlich, wenn alle einfach nur geliebt werden wollen?


29.09.2026 | Literatur in Hamburg
Dörte Hansens neuer Roman »Broder«

Brachvögel, die nach alten Seelen rufen

Dörte Hansen
Dörte Hansen, Foto: Sven Jaax
Als großes Leseerlebnis wurde schon Dörte Hansens Debüt »Altes Land« gefeiert, es folgte der »fein mit Plattdeutsch abgeschmeckte« Roman »Mittagsstunde«, eine liebevolle Hommage an Nordfriesland und seine Menschen, dann »Zur See«, in dem sie vom stillen Niedergang einer Kultur erzählt, aber auch von der Unbedingtheit der Natur und ihrer Kräfte. Mit »Broder« (Penguin) erweitert sie ihre Chronik des Nordens nun um einen Familien- und Heimatroman über die historischen Umbrüche in der Landwirtschaft. Es ist ein großes Drama, das von Herkunft, Zugehörigkeit und der Verantwortung erzählt, die daraus für das Miteinander, aber auch für die Natur erwächst.


29.09.2026 | Literatur in Hamburg
Yang Shuang-zis Roman »Das Taiwan-Tagebuch«

Karrieren einer Übersetzung

Yang Shuang-zi
Yang Shuang-zi, Foto: YJ Chen
Es ist eine der ungewöhnlichsten Neuerscheinungen des Bücherjahres und eine Entdeckung: »Das Taiwan-Tagebuch« (DuMont) von Yang Shuang-zi wurde im Original 2020 veröffentlicht, ist dann in Japan und in den USA erschienen und wurde mit jeder neuen Übersetzung auch ausgezeichnet. In diesem Jahr erhielt der Roman den renommierten International Booker Prize und ist in mehreren weiteren Sprachen erschienen. Karin Betz hat ihn aus dem Chinesischen, Taiwanischen und Japanischen ins Deutsche übersetzt.


28.08.2026 | Literatur in Hamburg
Jarka Kubsovas neuer Roman »Im Licht des neuen Tages«

Als wäre man in einer anderen Welt

Jarka Kubsova, Foto: Gaby Gerster
In ihrem vielgelobten Bestseller »Marschlande« (S. Fischer) verknüpft Jarka Kubsova den Selbstfindungsprozess einer Frau in der Gegenwart mit der jahrhundertealten Überlieferung über ein Frauenleben. Die Neubewertung der historischen Figur wird dabei zur Voraussetzung für ein selbstbestimmteres Leben in der Gegenwart. Meisterhaft setzt sie dieses Prinzip weiblicher Geschichtsschreibung auch in ihrem neuen Roman »Im Licht des neuen Tages« (S. Fischer) um, der zu einer bewegenden Reise tief in die Wälder Böhmens einlädt – und in ihre eigene Geschichte.


24.07.2026 | Literatur in Hamburg
Norbert Gstreins neuer Roman »Im Licht des neuen Tages«

Am Rand der großen Kriege

Norbert Gstrein, Foto: Isolde Ohlbaum
Norbert Gstrein, Foto: Isolde Ohlbaum
Er ist einer der großen Erzähler der Gegenwartsliteratur und wurde schon vielfach ausgezeichnet, zuletzt als erster deutschsprachiger Schriftsteller mit dem Siegfried Lenz Preis. Sein neuer Roman »Im ersten Licht« ist ein Meisterwerk, das in der Kritik einhellig als großer Antikriegsroman gefeiert wird.


24.07.2026 | Literatur in Hamburg
Alex Schulmans Roman »Jetzt beginnt das Leben«

Wie sich ein Trauma in ein Leben einträgt

Alex Schulman, Foto: Martin Cederblad
Es ist ein großartiger Pageturner, der in Schweden lange die Bestesellerlisten anführte: Alex Schulman erzählt in seinem in einer deutschen Übersetzung von Hanna Granz neu erschienenen Roman »Jetzt beginnt das Leben« (DTV) von einer minutiösen Ermittlung in einer Kindheit und zeigt, wie sich ein Trauma in ein Leben einträgt.


28.05.2026 | Literatur in Hamburg
Dana Grigorceas neuer Roman »Tanzende Frau, blauer Hahn«

Variationen der Liebe

Dana Grigorcea, Foto: Gabi Hirit
Die schweizerisch-rumänische Schriftstellerin Dana Grigorcea, die 1979 in Bukarest geboren wurde und seit vielen Jahren mit ihrer Familie in Zürich lebt, ist eine so bezaubernde wie vielseitige und intelligente Erzählerin. In ihrem neuen Roman lädt sie für ein Kaleidoskop über die Liebe in die schwebende Sommeratmosphäre einer Kleinstadt in den rumänischen Karpaten. »Tanzende Frau, blauer Hahn« (Penguin) ist aber auch wieder eines dieser Kunststücke von Dana Grigorcea, die mit dem Möglichkeitsraum von Fiktion und Realität spielen.


28.05.2026 | Literatur in Hamburg
Heike Geisslers neuer Roman »Michaela Kohlhaas«

Eine beispielhafte Frau

Heike Geissler, Foto: Heike Steinweg
In ihrem Essayband »Verzweiflungen« zoomt Heike Geißler ganz nah an die Abgründe und Bedrängnisse der Gegenwart heran und wurde dafür mit dem Bayerischen Buchpreis 2025 ausgezeichnet. Für ihren neu erschienenen Roman hat die in Leipzig lebende Schriftstellerin nun einen literarischen Großraum gekapert, der tief in der deutschen Kultur verwurzelt ist: den Klassiker »Michael Kohlhaas«. In einer formal brillanten Umsetzung erzählt sie in »Michaela Kohlhaas« (Suhrkamp) von der Selbstermächtigung einer »beispielhaften Frau«.


30.05.2026 | Literatur in Hamburg
Helene Bukowskis neuer Roman »Wer möchte nicht am Leben bleiben«

Versuch einer Annäherung

Helene Bukowski, Foto: Tobias Kruse
Schon ihr Debütroman »Milchzähne« (2019) wurde für das Kino adaptiert und wie »Die Kriegerin« (2022) nicht nur vielfach besprochen, sondern auch in mehrere Sprachen übersetzt. In diesem Frühjahr kam der neue Roman von Helene Bukowski dann prompt ins Finale zum Leipziger Buchpreis. »Wer möchte nicht im Leben bleiben« (Ullstein) spielt in den Jahren 1961 bis 1985 in der DDR und in der Sowjetunion und rekonstruiert das Leben einer hochbegabten jungen Pianistin.


30.05.2026 | Literatur in Hamburg
Gaea Schoeters Roman »Das Geschenk«

Deutscher Düngermix mit fatalen Folgen

Gaea Schoeters, Foto: Anna Weise
Ihr erster Roman »Trophäe« (2024) ist eine große und sehr böse Parabel über Großwildjagd, koloniale Finsternisse in der Gegenwart und das Phantombild eines wilden, echten Afrikas, dem schon Hemingway hinterherjagte. Im letzten Herbst hat die flämische Schriftstellerin, Journalistin und Librettistin Gaea Schoeters dann mit ihrem schmalen Roman »Das Geschenk« eine grandiose Satire nachgelegt. Sie spielt im politischen Berlin und geht auf einen ganz realen Streit zwischen Botswana und Deutschland zurück.


30.04.2026 | Literatur in Hamburg
Svenja Leibers neuer Roman »Nelka«

Die fehlende Geschichte

Svenja Leiber, Foto: Ina Kalvelage
Svenja Leiber ist in einem Dorf in Schleswig-Holstein aufgewachsen. Im Nachwort ihres neuen Romans »Nelka« (Suhrkamp) berichtet die vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin von den Geschichten, die dort auch unter den Kindern kursierten und von dem Brief einer Zwangsarbeiterin aus der Ukraine, die als Fünfzehnjährige in den Ort verschleppt wurde. Es ist der Auslöser für ihren Roman. Er erzählt eine Gewaltgeschichte aus dem 20. Jahrhundert, die sich in die Landschaften in Norddeutschland eingetragen hat und dort bis heute sichtbar ist.


30.04.2026 | Literatur in Hamburg
Rachel Kongs Roman »Real Americans«

Das ganz Unwahrscheinliche und der Zauber mit der Zeit

Rachel Kong, Foto: Fuzheado, Wikipedia
Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir? Mit dieser berühmten Trias könnten auch die drei Teile überschrieben sein, aus denen sich »Real Americans« (Kiepenheuer & Witsch) zusammensetzt. Der unterhaltsame Familienroman und vieldiskutierte Bestseller aus den USA wirft zentrale Fragen nach der Herkunft, Identität und Zukunft auf. Vorangetrieben wird er jedoch von einem großen Traum, den die in Malaysia geborene US-amerikanische Schriftstellerin Rachel Khong auf über 500 Seiten nach und nach gründlich entzaubert.


30.04.2026 | Literatur in Hamburg
Robert Seethalers Roman »Die Straße«

Im Zwischenreich Jolanders

Robert Seethaler, Foto: Urban Zintel
Es gibt keinen richtigen Plot und das Thema lässt auch dann noch vieles offen, wenn man es auf die Frage herunterbricht, was am Ende von einem Leben bleibt. Dennoch ist Robert Seethalers neuer Roman »Die Straße« (Claasen) ein Leseerlebnis. Das liegt vor allem an der Sprache, die in ihrer Kargheit einen ganz eigenen Sog entwickelt. Und in einem Mosaik aus Geschichten einen feinen Abgesang auf einen unspektakulären Stadtraum einfängt, der irgendwo zwischen gestern und heute festhängt – noch nicht ganz fremd, aber auch nicht mehr ganz vertraut.


30.03.2026 | Literatur in Hamburg
Judith Hermanns Roman »Ich möchte zurückgehen in der Zeit«

Eine Geschichte, die nicht mehr erzählt werden kan

Judith Hermann
Judith Hermann, Foto: Andreas Reiberg
Wie lässt sich etwas verstehen, das im Verborgenen bleibt? Wie kann etwas fassbar werden, von dem wir zwar wissen, dass es da ist und wirkt, aber ohne sich zu zeigen, ohne bewusste Erinnerung daran? Darum geht es in dem neuen Buch von Judith Hermann. In »Ich möchte zurückgehen in der Zeit« (S. Fischer) begibt sie sich auf die Spurensuche nach einer Geschichte, die nicht mehr erzählt werden kann und doch erzählt werden muss. Es ist eines der Ereignisse des literarischen Frühlings.


30.03.2026 | Literatur in Hamburg
Clara Umbachs Romandebüt »Pizza Orlando«

Von Springkraut und der Gretchenfrage

Clara Umbach
Clara Umbach, Foto: Tara Wolff
Es dauert einen Moment, bis man sich in das saloppe, alltagssprachliche Parlando aus Kurznachrichten eingehört hat, in dem die Hamburger Künstlerin und Autorin Clara Umbach ihren Roman »Pizza Orlando« (ecco) über weite Strecken erzählt. Doch dann trägt der ungewohnte Sound flüssig, leicht und sehr direkt durch die bewegende Geschichte einer unbedingten Liebe und all die Anfeindungen des Lebens, denen sie ausgesetzt ist.


30.03.2026 | Literatur in Hamburg
Jana Hensels »Es war einmal ein Land«

Der Osten wendet sich ab

Jana Hensel
Jana Hensel, Foto: Natascha Zivadinovic
Es sind nur ganz wenige Flecken, die auf der Wahlkarte der Bundestagswahl 2025 für Deutschland in den östlichen Bundesländern nicht blau eingefärbt sind. Die AFD hat im Osten fast überall gewonnen, in vielen Regionen sogar die absolute Mehrheit. Für die Journalistin Jana Hensel, die 2002 mit ihrem Generationenporträt »Zonenkinder« bekannt und seitdem mehrfach für ihre Berichterstattung über Ostdeutschland ausgezeichnet wurde, sind die Wahlergebnisse ein Schock. In ihrem neuen Buch »Es war einmal ein Land« (Aufbau), versucht sie Erklärungen zu finden und erzählt: »Warum sich der Osten von der Demokratie verabschiedet«.


10.03.2026 | Literatur in Hamburg
Lukas Rietzschels neuer Roman »Sanditz«

Gesellschaftspanorama mit Bruchkante

Lukas Rietzschel, Foto: Alexandra Polina
Er ist ein Shooting Star der jungen deutschen Gegenwartsliteratur. Schon sein Debüt »Mit der Faust in die Welt schlagen« (2018) war ein Bestseller, der für das Kino verfilmt wurde. Nach »Raumfahrer« (2021) legt Lukas Rietzschel nun mit »Sanditz« (DTV) seinen dritten Roman vor. Er spielt im ländlichen Sachsen und damit in einer Gegend, in der eine berühmte Sagengestalt zu Hause ist: Krabat. Zum Auftakt des Romans haben seine Müllerburschen einen furiosen Gastauftritt, um den Geist der Vergangenheit vom Sockel zu stürzen..


10.03.2026 | Literatur in Hamburg
Dana von Suffrins »Toxibaby«

Der böse Katzenfisch

Dana von Suffrin, Foto: Gunter Glücklich
In ihrem neuen Roman »Toxibaby« (Kiepenheuer und Witsch) erzählt Dana von Suffrin eine beinahe klassische Liebesgeschichte, nur dass sie etwas anders verläuft als die landläufige Vorstellung davon. Es geht um eine Beziehung, die alles erfüllt, was eine große Liebe ausmacht, sie bietet Rettung, Erkenntnis und Erlösung, aber leider immer nur bis zur nächsten Trennung. Ein gnadenloses On/Off-Beziehungstheater zwischen Höhenflug und Absturz, erzählt mit viel Sinn für Situationskomik und einer großen Portion Humor.


27.02.2026 | Literatur in Hamburg
Navid Kermanis »Sommer 24«

Das Erwartbare kennen, das Unerwartete finden

Navid Kermani
Navid Kermani, Foto: Peter-Andreas Hassiepen
Schon in dem sehr persönlichen Band »Wenn sich unsere Herzen gleich öffnen« mit Reden »Über Politik und Liebe«, der im letzten Jahr erschien, thematisiert Navid Kermani die historischen Umbrüche der Gegenwart. Mit »Sommer 24« (Hanser) legt er nun das erzählerische Pendant dazu vor. Es ist ein hochpolitischer Roman, der mit großer Wucht und Offenheit davon erzählt, wie das ist, wenn die veränderte Weltlage die Gewissheiten des eigenen Lebens aus den Angeln hebt.


14.02.2026 | Literatur in Hamburg
Kristof Magnussons neuer Roman »Reise ans Ende der Geschichte«

Der Dichter, der Spion und die Lehrerin

Kristof Magnusson
Kristof Magnusson, Foto: Smilla Dankert
Das Markenzeichen von Kristof Magnusson sind Krisen. Voller ironischer Brechungen und mit viel Sinn für die beiläufige Skurrilität der Ereignisse verknüpft der in Berlin lebende Schriftsteller und Übersetzer die persönlichen Krisen seiner Protagonisten mit den Krisen der Welt. In »Das war ich nicht« ist das die Finanzkrise, in seinem »Arztroman« stehen die Krisen im Emergency Room im Fokus und in »Ein Mann der Kunst« fischt er in den Höhen und Tiefen des Kulturbetriebs. Mit seinem neuen Roman lädt er nun zu einer »Reise ans Ende der Geschichte« und damit zu einem Epochenbild der Zeit kurz nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Wiedervereinigung. Es ist eine furiose Agent:innensatire.


31.01.2026 | Literatur in Hamburg
Nefeli Kavouras und ihr Debütroman »Gelb, auch ein schöner Gedanke«

Die Jahre ohne Details

Nefeli Kavouras
Nefeli Kavours, Foto: Stephan Obel
In der Hamburger Literaturszene ist Nefeli Kavouras seit vielen Jahren ein Kraftzentrum mit Wechselwirkungen in alle Richtungen. Die in Bamberg geborene Kulturwissenschaftlerin kuratiert das Literaturprogramm der »altonale«, arbeitet für den mairisch Verlag, führt zusammen mit Anselm Neft den Literaturpodcast »laxbrunch« und sie moderiert und organsiert regelmäßig Lesungen. Als Autorin wurde sie vor zwei Jahren für einen Auszug aus ihrem ersten Roman mit dem Hamburger Literaturpreis ausgezeichnet. Jetzt ist ihr Debüt bei Kiepenheuer & Witsch erschienen: »Gelb, auch ein schöner Gedanke«.


31.01.2026 | Literatur in Hamburg
Farhad Shwoghis neuer Gedichtband

Poetische Fassungen des Sagbaren

Farhad Showghi
Farhad Shwoghi, Foto: Steffen Baraniak
Es gehört zum Feinsten, was die Dichtung der Gegenwart zu bieten hat: Wer sich mit Farhad Showghi auf eine Reise in »Die nähere Umgebung« (kookbooks) begibt, wird mit wunderbaren Variationen der Vergegenwärtigung in einem ganz eigenen Sound belohnt. Der für seine Dichtung vielfach ausgezeichnete Hamburger Arzt und Dichter entwickelt in seinem neuen Gedichtband eine unverwechselbare Choreografie für die Routinen des Alltags: beinahe magisch.


31.01.2026 | Literatur in Hamburg
Mia Oberländers »Saloon«

Familiensache

Mia Oberländer
Mia Oberländer, Foto: Alexandra Polina
Schon für ihr Debüt »Anna« erhielt die Hamburger Zeichnerin und Illustratorin 2021 den Jugendliteraturpreis und den Comicbuchpreis der Berthold-Leibinger-Stiftung. Anfang Januar hat Mia Oberländer nun mit der opulent ausgestatteten, in der Edition Moderne erschienenen Graphic Novel »Saloon – Das ist Familiensache« nachgelegt. Erzählt wird die Geschicht einer ziemlich durchgeknallten Familienfeier.


15.01.2026 | Literatur in Hamburg
Leïla Slimanis »Trag das Feuer weiter«

Auf der Suche nach der verlorenen Erinnerung

Leila Slimani
Leïla Slimani, Foto: Francesca Mantovani für Èditions Gallimard
Sie ist eine der wenigen Frauen, die in der über 100-jährigen Geschichte des Prix Goncourt mit dem wichtigsten französischen Literaturpreis ausgezeichnet wurden: Leïla Slimani, 1981 in Rabat geboren und aufgewachsen, gilt heute als eine der wichtigsten Stimmen Frankreichs und ist ein literarischer Weltstar. Mit dem psychologischen Thriller »Dann schlaf auch du« (2017) wurde die französische-marokkanische Schriftstellerin international bekannt. In diesem Januar ist mit »Trag das Feuer weiter« in der Übersetzung von Amelie Thoma der Abschluss ihrer großen, an ihre eigene Familiengeschichte angelehnte Trilogie »Das Land der Anderen« erschienen.


30.11.2025 | Literatur in Hamburg
Joy Williams Erzählband »Stories 2«

Die Stille im Auge des Orkans

Joy Williams
Joy Williams, Foto: Jonno Rattman
In den USA wird die 1944 in Chelmsford, einer Kleinstadt in Massachusetts, geborene Joy Williams schon lange als große Schriftstellerin gefeiert. Zu ihren Bewunderern gehört die erste Garde der US-amerikanischen Literatur: Jonathan Franzen, Bret Easton Ellies, Don DeLillo, sie alle sind Fans von Williams. In diesem Herbst ist mit »Stories 2« (DTV) ihr neuer Erzählband in der Übersetzung von Julia Wolf in Deutschland erschienen. Es ist eine Sammlung mit Meistererzählungen, die zum Feinsten gehören, was die Literatur unserer Zeit zu bieten hat.


30.11.2025 | Literatur in Hamburg
Nelio Biedermanns Debütroman »Lázár«

Ein vor Jahren geträumter Traum

Nelio Biedermann
Nelio Biedermann, Foto: Ruben Hollinger
Als »Donnerschlag« gefeiert und in mehr als zwanzig Länder verkauft wurde dieser Roman schon, bevor er in diesem Herbst erschienen war: Nelio Biedermann hat mit »Lázár« (Rowohlt Berlin) einen der erfolgreichsten deutschsprachigen Romane der letzten Jahre vorgelegt. Der 22-jährige Schweizer, der in Zürich Germanistik und Filmwissenschaft studiert, ist der Nachfahre einer ungarischen Adelsfamilie. In seinem Roman erzählt er die fiktionalisierte Geschichte seiner Familie in einer Zeit radikaler Umbrüche und Zerwürfnisse in Europa und mit zahlreichen Verweisen auf Klassiker der Weltliteratur.


31.10.2025 | Literatur in Hamburg
Linn Ullmanns »Mädchen 1983«

Sehen, sich erinnern, verstehen

Linn Ullmann
Linn Ullmann, Foto: Kristin_Svanæs-Soot
Linn Ullmann blickt mit ihrem neuen Roman »Mädchen, 1983« auf eine Episode ihres Lebens zurück. Es ist ein hochpoetischer und streng durchkomponierter Roman über eine Ermittlung, mit der man sagen kann: »Das ist es, was die Lebenden tun – sehen, sich erinnern, verstehen, eine Linie ziehen, eine Geschichte erzählen.«