Ausnahme Zustand
Ella Carina Werner, Der Untergang des Abendkleides

Heute, 04.12.2020


30.11.2020 | Literatur in Hamburg
Jan Bürgers Hamburger Kulturgeschichte

»Zwischen Himmel und Elbe«

Jan Bürger, Foto: Chris Korner, Deutsches Literaturarchiv Marbach
Für die Hamburger Kultur ist es das ungewöhnlichste Buch des Jahres und ein Ereignis. Es heißt »Zwischen Himmel und Elbe« und ist eine Kulturgeschichte. Geschrieben hat sie Jan Bürger, der am Deutschen Literaturarchiv in Marbach u.a. den Nachlass von Peter Rühmkorf betreut und ein herausragender Kenner der Werke und Biograf des Hamburger Schriftstellers Hans Henny Jahnn ist. Vielleicht gerade weil Hamburg oft und mit prominenter Unterstützung aus dem eigenen Kulturbetrieb als kulturfern gescholten wurde, kommt man mit Bürgers Streifzug mehr und mehr ins Schwärmen. Die zwölf Stationen seiner Kulturgeschichte fügen sich zu einer so gelehrten wie unterhaltenden Gesamtschau einer Kulturmetropole mit zwar sprödem Charme, gleichzeitig aber doch großer künstlerischer Vielfalt und vor allem auch mit Pop.


29.11.2020 | Literatur in Hamburg
Carsten Brosdas »Ausnahme/Zustand«

Notwendige Debatten

Carsten Brosda
Carsten Brosda, Foto: Bertold Fabricius
In seinem im letzten Herbst erschienenen Buch »Die Zerstörung« hat Carsten Brosda das Abrutschen der großen Volksparteien in der Wählergunst analysiert und gefordert, »für den gesellschaftlichen Zusammenhalt« zu streiten. Im Frühjahr hat der Hamburger Senator für Kultur und Medien mit die »Die Kunst der Demokratie« dann ein »verblüffend optimistisches Buch über die kulturelle Gegenwart und zwischen den Zeilen eine Liebeserklärung an Kulturschaffende jedweder Provenienz« (»Spiegel«) vorgelegt. In diesem Herbst nimmt er nun den historischen »Ausnahme/Zustand« (Hoffmann und Campe) durch die Coronakrise in den Blick und umreißt in seinem neuen Buch die zentralen Themen für »notwendige Debatten nach Corona«.


27.11.2020 | Literatur in Hamburg
Deniz Ohdes Romandebüt »Streulicht«

Geschichte einer Ausgrenzung

Deniz Ohde
Deniz Ohde, Foto: Heike Steinweg, Suhrkamp Verlag
Gleich mehrere Romandebüts aus der deutschsprachigen Literatur thematisieren in diesem Jahr ein lange bekanntes, gesellschaftliches Problem in Deutschland, sie erzählen von sozialer Ausgrenzung, von Abwertung und Perspektivlosigkeit. Da ist Cihan Acar mit »Hawaii« (Hanser Berlin), dessen junger Held desillusioniert und voller Sehnsucht nach Teilhabe durch Heilbronn streift. Da ist der beim Harbour Front Literaturfestival mit dem Klaus-Michael Kühne-Preis ausgezeichnete Christian Baron mit seinem Debüt »Ein Mann seiner Klasse« (Ullstein). Er erzählt in seinem autobiografischen Roman von einer kaputten Familie im subproletarischen Milieu in Kaiserslautern. Und da ist Deniz Ohde, die es mit ihrem großartigen Debüt »Streulicht« bis auf die Shortlist zum Deutschen Buchpreis brachte.


26.11.2020 | Literatur in Hamburg
Peter Stamms Erzählband »Wenn es dunkel wird«

Vom Geheimnis der Veränderung

Peter Stamm
Peter Stamm, Foto: Anita Affentranger
Vom Geheimnis der VeränderungPeter Stamm gilt als so brillanter Erzähler, weil es ihm gelingt, in nur wenigen Sätzen und mit großer Suggestivkraft eine ganze Welt zu eröffnen, die seine Leser sofort für sich gefangen nimmt. So ist es auch in seinem neuen Buch »Wenn es dunkel wird« (S. Fischer). Nur wenige Zeilen und schon sind wir mittendrin. Gemeinsam ist den elf Geschichten aber auch, dass sie von einem Geheimnis erzählen, von einer verborgenen, unheimlichen Kraft, durch die sich plötzlich alles verändert.

Crowdfunding-Kampagne für Autorenwettbewerb

»Große Freiheit Schreiben«

Das Ohnsorg-Theater möchte so schnell wie möglich einen Autorenwettbewerb mit dem klangvollen Titel »Große Freiheit Schreiben« starten. Mit dem Wettbewerb will das Theater »norddeutsche Geschichten« und Autor*innen suchen und finden, die »aktuelle Konflikte über das normale Leben mit all seinen Freuden, Leiden und auch Widersprüchlichkeiten« thematisieren. Die besten Geschichten werden in einer langen Lesenacht ausgezeichnet. Damit der Wettbewerb Anfang 2021 ausgeschrieben werden kann, wurde eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Als Unterstützer*innen konnten u.a. Lara-Maria Wichels und Yared Dibaba gewonnen werden. Sie haben sich gemeinsam auf eine Reise durch Hamburg begeben und zusammen mit dem Fotografen G2 Baraniak Motive entwickelt, die sinnbildlich für die gesuchten »norddeutschen Geschichten« stehen. Als Dankeschön für eine Spende können zudem Werke zum Thema »Literatur in Hamburg« von renommierten Hamburger Künstler_innen gewonnen werden.

Weitere Infos und Spenden: https://www.startnext.com/grosse-freiheit-schreiben

Neuer Hilfsfond

»Kultur hält zusammen«

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Die Hamburgische Kulturstiftung hat einen neuen Hilfsfond aufgesetzt: Noch bis zum 20. November können sich Kunst- und Kulturschaffende mit Projektvorhaben für Unterstützung durch den Hilfsfond »Kultur hält zusammen« der Dorit & Alexander Otto Stiftung bewerben. Bewerbungen sind auch möglich, wenn man bereits Förderung durch den Hilfsfond »Kunst kennt keinen Shutdown« erhalten hat.

Alle weiteren Infos hier:: https://www.kulturstiftung-hh.de/hilfsfonds/ausschreibung.html

07.11.2020 | Literatur in Hamburg
Leif Randts Roman »Allegro Pastell«

Akuter Crush, Echtes Enjoyment

Leif Randt
Leif Randt, Foto: Zuzanna Kałużna
In seinem neuen Roman »Allegro Pastell« (Kiepenheuer & Witsch) erzählt Leif Randt eine beinahe klassische Liebesgeschichte. Da sind zwei, die zueinander passen, sich finden, sich lieben – und sich doch nicht kriegen. In der Literatur wurden aus diesem Stoff schon viele große und vor allem auch leidvolle Dramen gewebt. Bei Leif Randt köcheln die Ereignisse nun in konstant mittlerer Betriebstemperatur vor sich hin, kunstvoll zwischen Ironie und Ernst, zwischen Spaß und tieferer Bedeutung changierend, ohne sich je selbst zu entlarven. Sie erzählen von einem kurzen Moment größten Glücks und seinen Schattierungen in den verschwimmenden (Pastell-)Farben eines kaum fassbaren Hier und Jetzt.


18.10.2020 | Literatur in Hamburg
Annette Mingels Roman »Dieses entsetzliche Glück«

Willkommen in Hollyhock

Annette Mingels
Annette Mingels, Foto: Hendrik Lüders
In einem Reigen aus fünfzehn Geschichten erzählt Annette Mingels in ihrem neuen Roman »Dieses entsetzliche Glück« (Pinguin) von Freundschaft und Liebe, aber auch von den Brüchen und Verwerfungen des Lebens. Obwohl es kein klassischer Roman mit einer durchgängig stringenten Handlung ist, sondern ein literarischer Hybrid ohne klares Zentrum, ist man ganz schnell in diesem erzählerischen Kosmos gefangen. Das liegt an der brillanten Dramaturgie und sehr fein austarierten sprachlichen Mikroökonomie von Annette Mingels Prosa.


06.10.2020 | Literatur in Hamburg
Mit Ilja Leonard Pfeijffer im »Grand Hotel Europa«

Nilpferde zählen

Ilja Leonard Pfeijffer
Ilja Leonard Pfeijffer, Foto: Mark Brester
Monatelang führte Ilja Leonard Pfeijffer mit »Grand Hotel Europa« in den Niederlanden die Bestsellerlisten an, das Buch wurde »Roman des Jahres« und in Kritiken euphorisch als Meisterwerk gefeiert. Eine »mitreißende Liebeserklärung eines selbstironischen, philosophierenden Europäers« verspricht uns der Piper Verlag mit der deutschen Übersetzung von Ira Wilhelm. Gleichzeitig ist dieser Roman aber auch die ungenierte Selbstinszenierung eines Autors als Genius loci mit einem grandios nostalgisch verwehten Blick auf Europa und die Welt.


Vorgelesen

ZIEGEL Speed Dates als Videoclips

Ziegel_Speed_Dates
In diesem Jahr wurden die Speed Dates des Hamburger Literaturjahrbuchs »ZIEGEL« zur »literatur altonale« digital realisiert. Simone Buchholz ist für eine Lesung auf den Altonaer Balkon gekommen und Friederike Gräff ins Studio, Sebastian Stuertz streift lesend durch den laubgrünen Volkspark, Frank Schliedermann liest auf der Terrasse der Kulturetage und Leona Stahlmann in der Requisite des Kurzfilm Festival Hamburg. Realisiert wurden die Clips für »altonale digital« in Kooperation mit der University of Applied Sciences unter der Leitung von Maike Mia Höhne.

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