Mathias Enards neuer Roman »Das Jahresbankett der Totengräber«

Mittwoch, 01.12.2021


Lesung und Gespräch mit Ingo Schulze

Preis der Literaturhäuser 2021

Ingo Schulze
Ingo Schulze, Foto: JCS
Er ist ein höchst fintenreicher Erzähler, der virtuos mit den stilistischen und formalen Möglichkeiten der Gegenwartsliteratur spielt und dabei auch noch glänzend unterhält. Zuletzt ist das dem 1962 in Dresden geborenen Schriftsteller Ingo Schulze mit dem Roman »Die rechtschaffenen Mörder« (2020) gelungen, einer aufwühlenden Geschichte über einen Dresdner Antiquar und dessen allmähliche Verwandlung in einen unversöhnlichen Reaktionär.

Zu einem Klassiker der Gegenwartsliteratur wurde Ingo Schulzes 1998 erschienener Roman »Simple Stories«, der in der Tradition amerikanischer Short-Story-Größen die Wendezeit aus ostdeutscher Sicht erzählt. Ein Meilenstein in seinem Werk ist auch das umfassende Epos »Neue Leben« (2005), in dem der verhinderte Schriftsteller und angehende Zeitungsredakteur Enrico Türmer aus seinem Leben im Jahr 1990 erzählt. Der Roman gilt als »ultimativer Wenderoman« (Elmar Krekeler). Die Liste der Auszeichnungen, die Ingo Schulze erhalten hat, ist entsprechend lang und wird nun ganz zurecht noch ein bisschen länger: Die im Netzwerk verbundenen Literaturhäuser zeichnen ihn für seine tollen Auftritte auf literarischen Bühnen und im Gespräch mit dem »Preis der Literaturhäuser 2021« aus. Im Literaturhaus trifft sich Lothar Müller zum Gespräch mit Ingo Schulze über sein Schreiben und seine Literatur.

Literaturhaus, Schwanenwik 38, 19.30 Uhr, € 12,–/8,–, Streamingticket
€ 5,–, www.literaturhaus-hamburg.de


Lesung mit Lena Gorelik

»Wer wir sind«

Lena Gorelik
Lena Gorelik, Foto: Charlotte Troll
Als jüdischer Kontingentflüchtling wanderte Lena Gorelik mit ihren Eltern, ihrer Großmutter und ihrem Bruder 1992 von St. Petersburg nach Deutschland aus, in die Freiheit. Zurück blieben ihre geliebte Hündin Asta, die Märchen-Telefonnummer und fast alles, was sie mit Djeduschka verbindet, ihrem Opa. In ihrem neuen Roman erzählt die vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin vom schwierigen Ankommen in einem neuen Leben im Westen, wo die Elfjährige plötzlich «die Fremde» ist, ein Flüchtlingskind im selbstgeschneiderten Parka, das die Wörter komisch ausspricht. Doch während der Neuanfang für die Eltern schwer bleibt und die Russland-Nostalgie im Sehnsuchtswesten wächst, hilft ihrer Tochter das erst fremde Deutsch bei der Eroberung eines neuen Lebens. Lena Gorelik stellt ihren Roman zum Jüdischen Salon vor. Gastgeber des Abends ist Michael Heimann.

Jüdischer Salon im Café Leonar, Grindelhof 59, 19.30 Uhr, 2Gm € 10,–/5,– Anmeldung und Tickets:
info@salongamgrindel.de

Klaus Modick liest aus seinem neuen Roman

»Fahrtwind – Auf den Spuren eines Taugenichts«

Klaus Modick
Lena Gorelik, Foto: Charlotte Troll
Klaus Modick stellt im Gespräch mit Ullrich Schwarz seinen neuen Roman vor, der von einer Zeit der Umbrüche erzählt und von einem jungen Mann auf einem abenteuerlichen
Roadtrip ins Offene und Ungewisse. Während in den turbulenten 1970er Jahren an den Universitäten die Revolution geprobt und bundesweit nach den Mitgliedern der RAF gefahndet wird, trampt der selbsternannte Taugenichts in den Süden. Er trifft auf schräge Vögel, hoffnungslose Romantiker, Hippies und erlebt eine große Liebe, spielt als Troubadour im Batikshirt auf, entdeckt die magische Welt der Pilze und die unermessliche Freiheit der Straße. Unfreiwillig wird er dabei zum Protagonisten eines raffiniert eingefädelten Verwirrspiels, in dem die Grenze zwischen Tag und Traum auf märchenhafte Weise verschwimmt. Klaus Modick porträtiert einen modernen Taugenichts, der sich mit Witz, Ironie und Fantasie den Konventionen und Zwängen seiner Zeit widersetzt. Und Eichendorff winkt aus der Ferne.

Freie Akademie der Künste, Klosterwall 23, 19.00 Uhr, € 12,–/8,–, 2G,
www.akademie-der-kuenste.de


Lesung mit Gerhard Henschel und Frank Schulz

»SOKO Fußballfieber«

Mit seinem zweiten »Überregionalkrimi« taucht Gerhard Henschel tief in die dunklen Machenschaften der internationalen Fußballunterwelt ein: Nachdem im beschaulichen Uelzen ein Fußballfunktionär ermordet wurde, geraten Hauptkommissar Gerald und Oberkommissarin Fischer in einen Ermittlungsmarathon auf mehreren Kontinenten. Gleichzeitig jagen Franz Beckenbauer und Uli Hoeneß dem schnöden Mammon hinterher, und der von Rot-Weiß Essen träumende Dichter Thomas Gsella kämpft im Mittleren Osten um sein Leben. Doch auch sonst treten viele alte Bekannte auf: Der Sultan von Brunei, das Präsidium des FC Bayern München, ein DFB-Geheimarchivar, eine pakistanische Pralinenkönigin, Stefan Effenberg, Boris Becker und viele andere müssen sich auf ein böses Ende gefasst machen. Gerhard Henschel stellt seine »SOKO« im »Fußballfieber« gemeinsam mit Frank Schulz vor.

Polittbüro, Steindamm 45, 20.00 Uhr, € 20,–/15,–


Lesung

»Weihnachtsgeschichten, besinnlich bis frech«

Monika Dose, Monika Gutte und Heidrun Walsh lesen Weihnachtsgeschichten.

Kellertheater, Johannes-Brahms-Platz 1, 15.00 Uhr, € 13,– (inkl. Kaffee und Gebäck), weitere Lesungen: 8./22.12.,15.00 Uhr,

Poetry Slam

»Jägerschlacht«

Offener Poetry Slam. Lesezeit: 5 Minuten. Lesen kann, wer sich kurz vor der Veranstaltung in die Leseliste eintragen lässt. Moderation: Hannes Maaß.

Kampf der Künste, Grüner Jäger, Neuer Pferdemarkt 36, 20.00 Uhr, € 5,–, Anmeldung: tickets@gruener-jaeger-stpauli.de

28.11.2021 | Literatur in Hamburg
Olli Jalonens »Die Himmelskugel«

An der Nahstelle einer neuen Zeit

Olli Jalonen
Olli Jalonen, Foto: Pekka Nieminen
Es ist ein Heldenepos, ein toller Abenteuer- und Wissenschaftsroman und eines der Lesehighlights aus dem Bücherherbst: Der finnische Schriftsteller Olli Jalonen erzählt in seinem Roman »Die Himmelskugel« (mare Verlag) aus der Perspektive eines Jungen aus einfachen Verhältnissen von einem epochalen Umbruch in der Geschichte Europas und Nordamerikas. Das Zeitalter der Aufklärung und ihre Hinwendung zu rationalem Denken, zur Urteilsinstanz der Vernunft und zu den Naturwissenschaften hat gerade begonnen. Gleichzeitig wird kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg inbrünstig wie eh und je im Namen des Glaubens gekämpft, tyrannisiert und gemordet.


18.10.2021 | Literatur in Hamburg
Der neue Roman von Dietmar Dath

»Gentzen oder: Betrunken aufräumen«

Dath_Dietmar_c_Hanke_Wilsmann
Dietmnar Dath, Foto: Hanke Wilsmann
Einer der literarisch und intellektuell herausforderndsten Romane des Jahres ist »Gentzen oder: Betrunken aufräumen« von Dietmar Dath. Es handelt sich um einen Genre-Roman und Science-Fiction-Roman, der Gegenwart und Zukunft in einem Möglichkeitsraum miteinander verknüpft, in dem von einer Gesellschaft geträumt und erzählt wird, die wir noch nicht kennen. Der Ausgangspunkt des auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis nominierten Romans ist dabei einer der ganz großen und nicht sehr bekannten Mathematiker und Logiker des 20. Jahrhunderts: Gerhard Gentzen.


18.10.2021 | Literatur in Hamburg
Bernd Brunners »Buch der Nacht«

Nachtlektüre

Bernd Brunner
Bernd Brunner, Foto: privat
Der in Berlin und Istanbul lebende Autor Bernd Brunner findet seine Themen stets an der Schnittstelle von Kultur-, Wissenschafts- und Mentalitätsgeschichte, mal vermittelt er in »Ornithomania« Staunens- und Wissenswertes aus der Welt der Vogelkunde, dann erzählt er in »Als die Winter noch Winter waren« die »Geschichte einer Jahreszeit« oder schreibt ein »Granatapfelbuch«. Zu einem grandiosen Streifzug entlang einer Himmelsrichtung hat er mit seiner Kulturgeschichte »Die Erfindung des Nordens« erst vor zwei Jahren eingeladen und taucht mit seinem neuen »Buch der Nacht« (Galiani Berlin) nun tief ein in eine Zeit, in der sich die gewohnten Koordinaten unserer Wahrnehmung verschieben.


18.10.2021 | Literatur in Hamburg
Svenja Flaßpöhlers »Sensibel«

Empfindlichkeit, Zumutbares und andere Grenzfälle

Svenja Flaßpoehler (c) Johanna Ruebel
Svenja Flaßpöhler, Foto: Johanna Ruebel
Mit jedem gesellschaftlichen Paradigmenwechsel gibt es auch Begriffe, die neu aufkommen oder ins Zentrum von Debatten rücken. Manche bezeichnen den Epochenwechsel selbst, so wie die 2020 zum »Wort des Jahres« gekürte »Corona-Pandemie«, anderes schlummert am Rande und ist dann plötzlich omnipräsent. So ist es auch bei einem Wort aus der Physik, das zum Synonym für die Abwehrkraft in der Krise wurde: Resilienz. In den Berührungspunkten von Resilienz und Empfindlichkeit sieht die Philosophin Svenja Flaßpöhler in ihrem neuen Buch »Sensibel. Über moderne Empfindlichkeit und die Grenzen des Zumutbaren« die Brücke zur Überwindung der Konflikte, die gegenwärtig die Gesellschaft spalten.


18.10.2021 | Literatur in Hamburg
Dietmar Daths »Gentzen oder: Betrunken aufräumen«

Ein Möglichkeitsraum für Zukunftsfragen

Dath_Dietmar_c_Hanke_Wilsmann
Dietmnar Dath, Foto: Hanke Wilsmann
Einer der literarisch und intellektuell herausforderndsten Romane des Jahres ist »Gentzen oder: Betrunken aufräumen« von Dietmar Dath. Es handelt sich um einen Genre-Roman und Science-Fiction-Roman, der Gegenwart und Zukunft in einem Möglichkeitsraum miteinander verknüpft, in dem von einer Gesellschaft geträumt und erzählt wird, die wir noch nicht kennen. Der Ausgangspunkt des auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis nominierten Romans ist dabei einer der ganz großen und doch nicht sehr bekannten Mathematiker und Logiker des 20. Jahrhunderts: Gerhard Gentzen.


28.09.2021 | Literatur in Hamburg
Tanja Schwarz´ Erzählband »In neuem Licht«

Harte Tage in Wilhelmsburg

Tanja Schwarz
Tanja Schwarz, Foto: Rebecca Hoppé
Sie sind ungefähr mittelalt, sie leben ungefähr in der Mitte der Gesellschaft, sie kommen mittelprächtig klar und sind voller Sehnsucht nach einem weiteren Horizont, einem größeren Ausschnitt des Himmels, einem leichteren Hier und Jetzt. Diesen ganz alltäglichen Heldinnen aus dem liberalen, oft prekären Bürgertum gibt Tanja Schwarz in ihrem neuen Erzählband »In neuem Licht« (hanserblau) eine Stimme. Es sind einfach großartige Erzählungen, die in einer präzisen und oft hochpoetischen Sprache die ganze existenzielle Wucht und Tiefe persönlicher Krisen ausloten und dabei ganz unsentimental und ideologiefrei auch Politik und Gesellschaft in den Blick nehmen.


28.09.2021 | Literatur in Hamburg
Michael Köhlmeiers neuer Roman »Matou«

Die sieben Leben des Monsieur Matou

Michael Köhlmeier
Michael Köhlmeier, Foto: Peter Andreas Hassiepen
Es sei »die summa« seines Werkes, er habe aus allem, was er bisher gemacht habe, dafür gelernt, sagt Michael Köhlmeier von seinem neuen Roman. Und das heißt bei einem wie ihm schon etwas, schließlich umfasst allein seine Prosa über 50 Bücher, er war zudem als Hörspielautor erfolgreich, hat die »Sagen des klassischen Altertums« nacherzählt und das »Nibelungenlied«, und ist ein großer Fan und Erfinder von Märchen. Dazu passt auch das Setting von »Matou« (Hanser), in dem ein sprechender Kater auf fast tausend Seiten aus seinen sieben Leben erzählt.


28.09.2021 | Literatur in Hamburg
»Hard Land« von Benedict Wells

Die 49 Geheimnisse von Grady

Benedict Wells
Benedict Wells, Foto: Roger Eberhard
Mit so großer Aufmerksamkeit wird bei kaum einem anderen deutschsprachigen Schriftsteller ein neuer Roman begleitet wie bei Benedict Wells. Sogar das »heute journal« des ZDF berichtete in einem längeren Beitrag, als in diesem Frühjahr »Hard Land« erschien, sein bisher fünfter Roman, der bis heute in den Bestseller-Listen steht. Er spielt 1985 in Grady, einem Kaff in Missouri, erzählt eine beinahe klassische Coming-of-Age-Geschichte und ist gleichzeig eine wundervolle Hommage auf die Musik und die Filme der Achtziger.


16.09.2021 | Literatur in Hamburg
Vier Bücher über den Klimawandel

Der Krise auf der Spur

Luisa Neubauer und Bernd Ulrich
Luisa Neubauer, eine der Hauptaktivist:innen von Fridays for Future, hat sich mit Bernd Ulrich, Vize-Chefredakteur der ZEIT, zum Gespräch über den Klimawandel getroffen. Foto: Axel Martens
In einer ganzen Flut von neuen Büchern in diesem Herbst stehen Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Klimawandel im Fokus. Ein vielgelesener Bestseller ist Frank Schätzings Buch »Was, wenn wir einfach die Welt retten?«, der zum »Handeln in der Klimakrise« auffordert. Der Krise auf der Spur sind auch Eckart von Hirschhausen mit seinem opulenten Wälzer »Mensch, Erde! Wir könnten es so schön haben«, Mojib Latif, der in »Heißzeit« schörkellos über den Klimawandel informiert, während Luisa Neubauer und Bernd Ulrich in ihrem Buch »Noch haben wir die Wahl« auch die Akteure in der Politik, ihre Aufgaben und Versäumnisse benennen.


04.09.2021 | Literatur in Hamburg
Peter Stamms neuer Roman »Das Archiv der Gefühle«

Ein Leben in Erinnerungen

Peter Stamm
Peter Stamm, Foto: Salon du livre, Genève, 2012, Ludovic Péron
Peter Stamm meldet sich nach seinem Erzählband »Wenn es dunkel wird« (2020) mit einem neuen Roman zurück, er heißt »Das Archiv der Gefühle« (S. Fischer) und hat eine Ausgangskonstellation, die schon klassisch für seine Literatur ist: Der Archivar eines großen Pressehauses steht an einem Wendepunkt seines Lebens.


10.08.2021 | Literatur in Hamburg
Andreas Mosters neuer Roman »Kleine Paläste«

Ein unaussprechlicher Skandal

Andreas Moster
Andreas Moster, Foto: Teja Sauer
Im gutbürgerlichen Quartier einer Kleinstadt, wo sich schmucke »Kleine Paläste« (Arche) wie an einer Perlenschnur aufreihen, der Rasen im Vorgarten akkurat getrimmt und die Hecke gründlich auf Hab-Acht gestutzt ist, spielt der neue Roman von Andreas Moster. Den Schauplatz kennt man hierzulande vor allem aus amerikanischen Serien, Romanen und Erzählungen. In ihnen bildet das vermeintliche Idyll beschaulicher Kleinstädte oft das Setting für ein großes Drama. Das entfaltet sich ganz beiläufig auch in diesem wunderbar fabulierfreudigen Roman, der in mehreren »Geisterstunden« zwei Nachbarfamilien für die große Abrechnung über einen unaussprechlichen Skandal zusammenruft.


10.06.2021 | Literatur in Hamburg
Mathias Enards neuer Roman »Das Jahresbankett der Totengräber«

Der unaufhaltsame Lauf der Dinge

Mathias Enard
Mathias Enard, Foto: Pierre_Marquès
Mit dem inneren Monolog eines Kriegsveteranen aus dem Jugoslawienkrieg, der sich in einem einzigen Satz über sagenhafte 500 Seiten erstreckt, wurde der französische Schriftsteller Mathias Enard 2008 international bekannt. Auf »Zone«, so heißt der Roman, folgte »Kompass«, eine leidenschaftliche Beschwörung der jahrhundertelangen Passion des Westens für die orientalische Kultur. Für den Roman erhielt er in Frankreich den Prix Goncourt, und in der deutschen Literaturkritik wurde über einen Klassiker gejubelt. In diesem Sommer ist nun »Das Jahresbankett der Totengräber« (Hanser) in der deutschen Übersetzung von Holger Fock und Sabine Müller erschienen, ein Dorfroman »für die wilden Denker«, wie es in der Widmung heißt. Es ist erneut ein höchst kunstvoll erzähltes Meisterwerk.

13.05.2021 | Literatur in Hamburg
Judith Hermanns Roman »Daheim«

Vom Glück der Veränderung

Judith Hermann
Judith Hermann, Foto: Andreas Labes
Wo und in welcher Welt sind wir da eigentlich? In der Gegenwart, in der Zukunft? So deutlich ist und wird das nicht. Es gibt eine nicht näher beschriebene Bedrohung, die scheinbar alles und ausnahmslos jeden bestimmt. Es regnet nicht. Oft ist es heiß. Dennoch spielt dieser Roman in einer Idylle, in der sich die Sehnsucht auf geheimnisvolle Weise erfüllt und das, obwohl die Liebe so fragil und verloren bleibt. Ein Zwischenreich, kein Zuhause und keine Fremde, das ist der Ort, an dem Judith Hermann das Figurenensemble ihres neuen Romans zusammenruft. Und sie alle sind an diesem Ort irgendwie »Daheim« (S. Fischer).

04.05.2021 | Literatur in Hamburg
Helga Schuberts Erzählband »Vom Aufstehen«

Eine andere Zuflucht

Helga Schubert
Helga Schubert, Foto: Renate von Mangold
1980 war Helga Schubert schon einmal eingeladen, doch damals durfte sie nicht aus der DDR ausreisen und verpasste den Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt. 40 Jahre später hat die 1940 in Berlin geborene Schriftstellerin dann noch einmal eine Chance erhalten – und wurde prompt mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis 2020 ausgezeichnet. In diesem Frühjahr ist der Gewinnertext nun in einem Sammelband mit 29 Erzählungen erschienen: »Vom Aufstehen. Ein Leben in Geschichten« (DTV).

06.04.2021 | Literatur in Hamburg
Das Hamburger Jahrbuch für Literatur ZIEGEL #17

Vom Glück unendlicher Weiten

Hamburger Jahrbuch für Literatur
Das Hamburger Jahrbuch für Literatur ZIEGEL #17, Foto: Timo Ruppel
Während die Welt im vergangenen Jahr abrupt ins Stocken geraten und noch immer weit davon entfernt ist, wieder in einen Normalmodus zurück zu finden, ist das Hamburger Jahrbuch für Literatur ZIEGEL ganz unerschrocken aufgebrochen: Mit dem Credo »Wir sind Astronauten« hat sich die in diesem April neu erschienene 17. Ausgabe der im deutschsprachigen Raum einmaligen Anthologie aufgemacht, um Zukunftsräume zu erkunden. Und das Weltall war dafür gerade noch groß genug. Es geht schließlich vor allem um die Träume, die uns umtreiben, um unsere Vorstellungen von der Welt und dabei dann natürlich um außergewöhnliche Tiere, um die Gespenster unserer Zeit, um stille Beobachtungen von Menschen, die manchmal wie Aliens erscheinen, aber auch um die kleinen Dinge, also das, was stets noch in die Westentasche passt.

01.04.2021 | Literatur in Hamburg
Steffen Kopetzkys neuer Roman »Monschau«

Katastrophenbild mit Hoffnungsschimmer

Steffen Kopetzky
Foto: Steffen Kopetzky, Foto: Marc Reimann
Die Verknüpfung von präzise recherchierten historischen Themen mit stets durch einen Anflug von Ironie gebrochenen fiktiven Geschichten ist das Markenzeichen der Romane von Steffen Kopetzky. In seinem vielgelobten Abenteuerroman »Risiko« (2015) folgte er einer legendären Geheimexpedition des Deutschen Reichs an den Hindukusch, im Zentrum seines zuletzt erschienenen Romans »Propaganda« (2020) steht eine der größten Katastrophen im Zweiten Weltkrieg, die Schlacht im Hürtgenwald. Ganz in der Nähe des Kriegsschauplatzes spielt nun nicht ganz zwei Jahrzehnte später sein neuer Roman »Monschau« (Rowohlt). Er erzählt von einem Ereignis, das ebenfalls weltweites Aufsehen erregte.

29.03.2021 | Literatur in Hamburg
Thea Dorns Briefroman

Sechs Fenster zum Trost

Thea Dorn
Thea Dorn, Foto: Peter Rigaud
Bekannt wurde Thea Dorn vor allem als Moderatorin von Literatursendungen im Fernsehen, sie ist Gastgeberin der ZDF-Sendung »Das Literarische Quartett«, hat aber auch schon mit großem Erfolg Krimis, Sachbücher und Fernsehfilme geschrieben und ist zudem eine gewitzte Philosophin. In ihrem neuen Briefroman »Trost« (Penguin) stellt sie sich jenen Fragen, die uns derzeit alle mehr oder weniger umtreiben: Was hilft jetzt noch? Was lässt uns hoffen? Und wo finden wir Zuversicht und Zuwendung?

19.03.2021 | Literatur in Hamburg
Simon Urbans Roman »Wie alles begann und wer dabei umkam«

Alles, was recht ist

Simon Urban
Foto: Simon Urban, Foto: Tara Wolff
Seinen ersten Prozess strengt der Held dieses Romans schon im zarten Alter von 13 Jahren an. Als Ankläger, Anwalt und Richter in Personalunion inszeniert er ein Verfahren gegen seine tyrannische Großmutter. Sie wird wegen mehrfachen Mordversuchs und bei Feststellung der besonderen Schwere der Schuld zum Tode verurteilt. Bei diesem Auftakt von Simon Urbans »Wie alles begann und wer dabei umkam« (Kiepenheuer & Witsch) schmunzelt man noch über die Gewitztheit und die Phantasie des Ich-Erzählers. Doch ganz so leicht kommen die Leser*innen dieses virtuosen Schelmenromans nicht davon, denn es geht um alles, was Recht ist – und damit auch um die ganz praktische Frage nach der angemessenen Rache.

08.03.2021 | Literatur in Hamburg
Simone Buchholz´ neuer Krimi »River Clyde«

Mit Chastity in Glasgow

Simone Buchholz
Foto: Simone Buchholz, Foto: Gerald von Foris
Mit »Revolverherz« ging es los, das war 2009, es gab eine Sturmwarnung, während die Staatsanwältin Chastity Riley zum Auftakt den Tatort an der Elbe inspizierte. In diesem Frühjahr hat Simone Buchholz nun den neunten Fall für ihre Ermittlerin vorgelegt, die in dem Ruf steht »Deutschlands härteste, schnoddrigste Krimiheldin« (»Die Welt«) zu sein. Sie hat in einem Familienclan ermittelt und in der Welt der Verlagshäuser und Kaderschmieden, zuletzt ist es in »Hotel Cartagena« dann im Drogenmilieu so dick gekommen, dass Chastity einfach raus musste. In Glasgow begegnen wir ihr wieder, am »River Clyde« (Suhrkamp), während in St. Pauli eine »monströse Scheiße« passiert.

28.02.2021 | Literatur in Hamburg
Norbert Gstreins neuer Roman »Der zweite Jakob«

»Sag ihnen, wer du bist«

Norbert Gstrein
Foto: Norbert Gstrein, Foto: Oliver Wolf
Er ist einer der großen Erzähler der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur und vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Alfred-Döblin-Preis und dem Uwe-Johnson-Preis. Nach seinen zuletzt erschienenen Romanen »Die kommenden Jahre«, der Geschichte eines Klimaforschers, und »Als ich jung war«, für den er den Österreichischen Buchpreis 2019 erhielt, erzählt Norbert Gstrein in »Der zweite Jakob« (Hanser Verlag) nun die Geschichte eines Schauspielers. Der ist prominent, erfolgreich, ein verdienter Bürger, und gerät kurz vor seinem 60. Geburtstag dennoch mit allem ins Schlingern, was da bisher war und noch kommen soll.

07.02.2021 | Literatur in Hamburg
T.C. Boyles neuer Roman »Sprich mit mir«

Ein Sechstklässler auf Steroiden

T.C. Boyle
T.C. Boyle, Foto: Jamieson Fry
Haben Affen einen Gott, denken sie über den Tod nach und erhoffen sie sich Erlösung? Das sind einige der Fragen, die T.C. Boyle in seinem furiosen neuen Roman »Sprich mit mir!« (Hanser) aufwirft. Nach »Die Terranauten« (2017), einer bitterbösen Persiflage des Versuchs, eine autarke »Biosphäre« zu erschaffen, und »Das Licht« (2019), das von den Experimenten mit bewusstseinserweiternden Drogen des Hippie-Gurus und Harvard-Professors Timothy Leary erzählt, ist T.C. Boyle erneut auf der Spur einer wissenschaftlichen Untersuchung. Es geht um das Bewusstsein von Tieren, genau genommen um einen Schimpansen, der wie einige seiner Artgenossen in den 1970er- und 80er-Jahren in einer menschlichen Familie ohne Kontakt zu seinen Artgenossen aufwächst. T.C. Boyle stellt seinen Roman am 16. Februar in einer Online-Lesung auf Zoom vor.


Literatur in Hamburg