Heute, 01.10.2026


Lesung mit Dörte Hansen

»Broder«

Dörte Hansen
Dörte Hansen, Foto: Sven Jaax
Als großes Leseerlebnis wurde schon Dörte Hansens Debüt »Altes Land« gefeiert, es folgte der »fein mit Plattdeutsch abgeschmeckte« Roman »Mittagsstunde«, eine liebevolle Hommage an Nordfriesland und seine Menschen, dann »Zur See«, in dem sie vom stillen Niedergang einer Kultur erzählt, aber auch von der Unbedingtheit der Natur und ihrer Kräfte. Mit »Broder« (Penguin) erweitert sie ihre Chronik des Nordens nun um einen Familien- und Heimatroman über die historischen Umbrüche in der Landwirtschaft. Es ist ein großes Drama, das von Herkunft, Zugehörigkeit und der Verantwortung erzählt, die daraus für das Miteinander, aber auch für die Natur erwächst.

Dörte Hansen stellt ihren neuen Roman zum Harbour Front Literaturfestival vor. Moderation: Julia Westlake.

Harbour Front Literaturfestival in der Laeiszhalle, Johannes-Brahms-Platz, 20.00 Uhr, € 28,–


Lesung mit Miriam Carbe

»Unerwünschte Töchter«

Miriam Carbe, Foto: Wolfgang Stahr
Miriam Carbe liest aus ihrem vielgelobten Debütroman.

Es gibt unzählige Möglichkeiten, Worte und Sätze, mit denen ein Kapitel aufgeschlagen, eine Geschichte begonnen werden kann. Und doch müssen schon mit dem ersten Satz das Thema und der Klang angestimmt werden, es gilt, die Neugierde zu wecken und in eine eigene Welt hineinzuführen. Meisterhaft gelingt das Miriam Carbe (18.00 Uhr, Buchhandlung Christiansen) in ihrem Roman »Unerwünschte Töchter« (Hanser), der eine große Familiengeschichte erzählt, die über vier Frauengenerationen reicht.

Mit dem ersten Satz wird ein Gegenstand eingeführt, der sie alle durch die Jahre begleitet: »Meine Urgroßmutter Margarethe ließ 1912 in Dresden bei einem Schreiner einen Schrank anfertigen.« Es ist ein Bücherschrank aus Kirschholz, »dunkel geölt«, mit »Kranzgesims« und zwei Flügeltüren, der obere Teil verglast. Er wurde an Marianne und schließlich an Monika weitergegeben, bis er im Arbeitszimmer von Miriam einen Platz fand, der Urenkelin von Margarethe. In einer kurzen Episode erzählt Miriam Carbe zum Auftakt ihres Romans, wie der Schrank durch die Jahrzehnte genutzt wurde und was sie selbst darin unterbrachte. Es sind die Tagebücher und Erinnerungsskizzen, die alle Frauen in ihrer Familie hinterlassen haben, die ältesten stammen aus dem Jahr 1908.

Dieses Vermächtnis bildet die Grundlage des Romans und ist der Ausgangspunkt für die weiteren Erbstücke, die in diesem mitreißenden Familienroman weitergegeben werden, von der gemeinsamen Erfahrung, unerwünschte Töchter zu sein über gemeinsame Laster und Werte bis zum Schreiben.

Sachsentor Buchhandlung im Haus im Park, Gräpelweg 8, 19.30 Uhr, € 15,–


Buchpremiere mit Michel Decar

»Nr. 1«

Der Schriftsteller und Dramatiker Michel Decar stellt sein neues Buch.

Roman, Gedicht, Theaterstück – was soll das alles? In » Nr. 1« erfindet Michel Decar eine neue literarische Gattung und unternimmt eine Tour de Force durch unsere Gegenwart. Eine lässig-leichte und doch elegante wie poetische Sprache spiegelt die Nonchalance wider, mit der der Autor dem realen Irrsinn begegnet.

Doch, Achtung, wir haben es hier nicht mit der Hochstapelei eines literarischen Einbrechers zu tun, es geht hier um Leben und Tod, Liebe und Grausamkeit – ja, um die Literatur selbst!

Buchhandlung Blattgold im OHG – Café & Aperitivo, Bernhard-Nocht-Straße 68, 19.30 Uhr, € 15,–/12,–


Literarischer Salonabend

»Writers´ Thursday Special«

Salonabend mit u.a. Judith Holofernes, Alexa Hennig von Lange und Mille Petrozza.

Thalia Theater, Alstertor 1, 20.00 Uhr, ab € 30,–


Lesung

»Was ist in meinem Alter sonst noch üblich«

Wencke Mühleisen liest aus ihrem Roman. Moderation: Anouk Schollähn.

Harbour Front Literaturfestival im KENT Club, Stresemannstr. 163, 19.30 Uhr, € 29,95


Lesung

»Roadtrip mit Pinguin«

Karsten Lieberam-Schmidt liest aus seinem Manuskript.

Gutshaus Glinde, Kaminzimmer, Möllner Landstraße 53, 19.30 Uhr, € 8,–/6,–


Lesung

»Katzenmensch«

Vortrag und Gespräch mit der Autorin und Kulturtheoretikerin Ana Teixeira Pinto und Johanna Wild, Kuratorin MARKK. Die Veranstaltung findet in Englisch statt

MARKK Museum am Rothenbaum, Rothenbaumchaussee 64, 19.00 Uhr, Eintritt frei, Museumseintritt



Aktuelle Buchempfehlungen


29.09.2026 | Literatur in Hamburg
Dana Vowinckels neuer Roman »Anton und Alma«

Für jede Sekunde des Lebens

Dana Vowinckel
Dana Vowinckel, Foto: Max Zerrahn
Schon für ihren brillanten Debütroman »Gewässer im Ziplock« (2023) wurde Dana Vowinckel mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Mara-Cassens-Preis des Hamburger Literaturhauses. In diesem Herbst ist nun »Anton und Alma« (Suhrkamp) erschienen, ein herausragender Gegenwartsroman, nominiert für den Deutschen Buchpreis und ein großes Leseerlebnis.


29.09.2026 | Literatur in Hamburg
Ronja von Rönnes neuer Roman »Alles Liebe«

Wenn Lügen lange Beine haben

Ronja von Rönne
Ronja von Rönne, Foto: Carolin Saage
Ein Ereignis ist der neue Roman »Alles Liebe« (DTV) von Ronja von Rönne vor allem durch den temporeichen Stil, den Humor und die Beiläufigkeit, in der so zentrale menschliche Narrative wie Lüge, Wahrheit und Liebe entzaubert werden. Die Journalistin, Moderatorin und Schriftstellerin versammelt dafür ein Figurenensemble, das sich für Aufmerksamkeit und Nähe in einem Lügengespinst verirrt. Doch was ist schon falsch, was verwerflich, was kriminell und was nur allzu menschlich, wenn alle einfach nur geliebt werden wollen?


29.09.2026 | Literatur in Hamburg
Dörte Hansens neuer Roman »Broder«

Brachvögel, die nach alten Seelen rufen

Dörte Hansen
Dörte Hansen, Foto: Sven Jaax
Als großes Leseerlebnis wurde schon Dörte Hansens Debüt »Altes Land« gefeiert, es folgte der »fein mit Plattdeutsch abgeschmeckte« Roman »Mittagsstunde«, eine liebevolle Hommage an Nordfriesland und seine Menschen, dann »Zur See«, in dem sie vom stillen Niedergang einer Kultur erzählt, aber auch von der Unbedingtheit der Natur und ihrer Kräfte. Mit »Broder« (Penguin) erweitert sie ihre Chronik des Nordens nun um einen Familien- und Heimatroman über die historischen Umbrüche in der Landwirtschaft. Es ist ein großes Drama, das von Herkunft, Zugehörigkeit und der Verantwortung erzählt, die daraus für das Miteinander, aber auch für die Natur erwächst.


29.09.2026 | Literatur in Hamburg
Yang Shuang-zis Roman »Das Taiwan-Tagebuch«

Karrieren einer Übersetzung

Yang Shuang-zi
Yang Shuang-zi, Foto: YJ Chen
Es ist eine der ungewöhnlichsten Neuerscheinungen des Bücherjahres und eine Entdeckung: »Das Taiwan-Tagebuch« (DuMont) von Yang Shuang-zi wurde im Original 2020 veröffentlicht, ist dann in Japan und in den USA erschienen und wurde mit jeder neuen Übersetzung auch ausgezeichnet. In diesem Jahr erhielt der Roman den renommierten International Booker Prize und ist in mehreren weiteren Sprachen erschienen. Karin Betz hat ihn aus dem Chinesischen, Taiwanischen und Japanischen ins Deutsche übersetzt.


28.08.2026 | Literatur in Hamburg
Jarka Kubsovas neuer Roman »Im Licht des neuen Tages«

Als wäre man in einer anderen Welt

Jarka Kubsova, Foto: Gaby Gerster
In ihrem vielgelobten Bestseller »Marschlande« (S. Fischer) verknüpft Jarka Kubsova den Selbstfindungsprozess einer Frau in der Gegenwart mit der jahrhundertealten Überlieferung über ein Frauenleben. Die Neubewertung der historischen Figur wird dabei zur Voraussetzung für ein selbstbestimmteres Leben in der Gegenwart. Meisterhaft setzt sie dieses Prinzip weiblicher Geschichtsschreibung auch in ihrem neuen Roman »Im Licht des neuen Tages« (S. Fischer) um, der zu einer bewegenden Reise tief in die Wälder Böhmens einlädt – und in ihre eigene Geschichte.


24.07.2026 | Literatur in Hamburg
Norbert Gstreins neuer Roman »Im Licht des neuen Tages«

Am Rand der großen Kriege

Norbert Gstrein, Foto: Isolde Ohlbaum
Norbert Gstrein, Foto: Isolde Ohlbaum
Er ist einer der großen Erzähler der Gegenwartsliteratur und wurde schon vielfach ausgezeichnet, zuletzt als erster deutschsprachiger Schriftsteller mit dem Siegfried Lenz Preis. Sein neuer Roman »Im ersten Licht« ist ein Meisterwerk, das in der Kritik einhellig als großer Antikriegsroman gefeiert wird.


24.07.2026 | Literatur in Hamburg
Alex Schulmans Roman »Jetzt beginnt das Leben«

Wie sich ein Trauma in ein Leben einträgt

Alex Schulman, Foto: Martin Cederblad
Es ist ein großartiger Pageturner, der in Schweden lange die Bestesellerlisten anführte: Alex Schulman erzählt in seinem in einer deutschen Übersetzung von Hanna Granz neu erschienenen Roman »Jetzt beginnt das Leben« (DTV) von einer minutiösen Ermittlung in einer Kindheit und zeigt, wie sich ein Trauma in ein Leben einträgt.


28.05.2026 | Literatur in Hamburg
Dana Grigorceas neuer Roman »Tanzende Frau, blauer Hahn«

Variationen der Liebe

Dana Grigorcea, Foto: Gabi Hirit
Die schweizerisch-rumänische Schriftstellerin Dana Grigorcea, die 1979 in Bukarest geboren wurde und seit vielen Jahren mit ihrer Familie in Zürich lebt, ist eine so bezaubernde wie vielseitige und intelligente Erzählerin. In ihrem neuen Roman lädt sie für ein Kaleidoskop über die Liebe in die schwebende Sommeratmosphäre einer Kleinstadt in den rumänischen Karpaten. »Tanzende Frau, blauer Hahn« (Penguin) ist aber auch wieder eines dieser Kunststücke von Dana Grigorcea, die mit dem Möglichkeitsraum von Fiktion und Realität spielen.


28.05.2026 | Literatur in Hamburg
Heike Geisslers neuer Roman »Michaela Kohlhaas«

Eine beispielhafte Frau

Heike Geissler, Foto: Heike Steinweg
In ihrem Essayband »Verzweiflungen« zoomt Heike Geißler ganz nah an die Abgründe und Bedrängnisse der Gegenwart heran und wurde dafür mit dem Bayerischen Buchpreis 2025 ausgezeichnet. Für ihren neu erschienenen Roman hat die in Leipzig lebende Schriftstellerin nun einen literarischen Großraum gekapert, der tief in der deutschen Kultur verwurzelt ist: den Klassiker »Michael Kohlhaas«. In einer formal brillanten Umsetzung erzählt sie in »Michaela Kohlhaas« (Suhrkamp) von der Selbstermächtigung einer »beispielhaften Frau«.


30.05.2026 | Literatur in Hamburg
Helene Bukowskis neuer Roman »Wer möchte nicht am Leben bleiben«

Versuch einer Annäherung

Helene Bukowski, Foto: Tobias Kruse
Schon ihr Debütroman »Milchzähne« (2019) wurde für das Kino adaptiert und wie »Die Kriegerin« (2022) nicht nur vielfach besprochen, sondern auch in mehrere Sprachen übersetzt. In diesem Frühjahr kam der neue Roman von Helene Bukowski dann prompt ins Finale zum Leipziger Buchpreis. »Wer möchte nicht im Leben bleiben« (Ullstein) spielt in den Jahren 1961 bis 1985 in der DDR und in der Sowjetunion und rekonstruiert das Leben einer hochbegabten jungen Pianistin.


30.05.2026 | Literatur in Hamburg
Gaea Schoeters Roman »Das Geschenk«

Deutscher Düngermix mit fatalen Folgen

Gaea Schoeters, Foto: Anna Weise
Ihr erster Roman »Trophäe« (2024) ist eine große und sehr böse Parabel über Großwildjagd, koloniale Finsternisse in der Gegenwart und das Phantombild eines wilden, echten Afrikas, dem schon Hemingway hinterherjagte. Im letzten Herbst hat die flämische Schriftstellerin, Journalistin und Librettistin Gaea Schoeters dann mit ihrem schmalen Roman »Das Geschenk« eine grandiose Satire nachgelegt. Sie spielt im politischen Berlin und geht auf einen ganz realen Streit zwischen Botswana und Deutschland zurück.


30.04.2026 | Literatur in Hamburg
Svenja Leibers neuer Roman »Nelka«

Die fehlende Geschichte

Svenja Leiber, Foto: Ina Kalvelage
Svenja Leiber ist in einem Dorf in Schleswig-Holstein aufgewachsen. Im Nachwort ihres neuen Romans »Nelka« (Suhrkamp) berichtet die vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin von den Geschichten, die dort auch unter den Kindern kursierten und von dem Brief einer Zwangsarbeiterin aus der Ukraine, die als Fünfzehnjährige in den Ort verschleppt wurde. Es ist der Auslöser für ihren Roman. Er erzählt eine Gewaltgeschichte aus dem 20. Jahrhundert, die sich in die Landschaften in Norddeutschland eingetragen hat und dort bis heute sichtbar ist.


30.04.2026 | Literatur in Hamburg
Rachel Kongs Roman »Real Americans«

Das ganz Unwahrscheinliche und der Zauber mit der Zeit

Rachel Kong, Foto: Fuzheado, Wikipedia
Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir? Mit dieser berühmten Trias könnten auch die drei Teile überschrieben sein, aus denen sich »Real Americans« (Kiepenheuer & Witsch) zusammensetzt. Der unterhaltsame Familienroman und vieldiskutierte Bestseller aus den USA wirft zentrale Fragen nach der Herkunft, Identität und Zukunft auf. Vorangetrieben wird er jedoch von einem großen Traum, den die in Malaysia geborene US-amerikanische Schriftstellerin Rachel Khong auf über 500 Seiten nach und nach gründlich entzaubert.


30.04.2026 | Literatur in Hamburg
Robert Seethalers Roman »Die Straße«

Im Zwischenreich Jolanders

Robert Seethaler, Foto: Urban Zintel
Es gibt keinen richtigen Plot und das Thema lässt auch dann noch vieles offen, wenn man es auf die Frage herunterbricht, was am Ende von einem Leben bleibt. Dennoch ist Robert Seethalers neuer Roman »Die Straße« (Claasen) ein Leseerlebnis. Das liegt vor allem an der Sprache, die in ihrer Kargheit einen ganz eigenen Sog entwickelt. Und in einem Mosaik aus Geschichten einen feinen Abgesang auf einen unspektakulären Stadtraum einfängt, der irgendwo zwischen gestern und heute festhängt – noch nicht ganz fremd, aber auch nicht mehr ganz vertraut.


30.03.2026 | Literatur in Hamburg
Judith Hermanns Roman »Ich möchte zurückgehen in der Zeit«

Eine Geschichte, die nicht mehr erzählt werden kan

Judith Hermann
Judith Hermann, Foto: Andreas Reiberg
Wie lässt sich etwas verstehen, das im Verborgenen bleibt? Wie kann etwas fassbar werden, von dem wir zwar wissen, dass es da ist und wirkt, aber ohne sich zu zeigen, ohne bewusste Erinnerung daran? Darum geht es in dem neuen Buch von Judith Hermann. In »Ich möchte zurückgehen in der Zeit« (S. Fischer) begibt sie sich auf die Spurensuche nach einer Geschichte, die nicht mehr erzählt werden kann und doch erzählt werden muss. Es ist eines der Ereignisse des literarischen Frühlings.


30.03.2026 | Literatur in Hamburg
Clara Umbachs Romandebüt »Pizza Orlando«

Von Springkraut und der Gretchenfrage

Clara Umbach
Clara Umbach, Foto: Tara Wolff
Es dauert einen Moment, bis man sich in das saloppe, alltagssprachliche Parlando aus Kurznachrichten eingehört hat, in dem die Hamburger Künstlerin und Autorin Clara Umbach ihren Roman »Pizza Orlando« (ecco) über weite Strecken erzählt. Doch dann trägt der ungewohnte Sound flüssig, leicht und sehr direkt durch die bewegende Geschichte einer unbedingten Liebe und all die Anfeindungen des Lebens, denen sie ausgesetzt ist.


30.03.2026 | Literatur in Hamburg
Jana Hensels »Es war einmal ein Land«

Der Osten wendet sich ab

Jana Hensel
Jana Hensel, Foto: Natascha Zivadinovic
Es sind nur ganz wenige Flecken, die auf der Wahlkarte der Bundestagswahl 2025 für Deutschland in den östlichen Bundesländern nicht blau eingefärbt sind. Die AFD hat im Osten fast überall gewonnen, in vielen Regionen sogar die absolute Mehrheit. Für die Journalistin Jana Hensel, die 2002 mit ihrem Generationenporträt »Zonenkinder« bekannt und seitdem mehrfach für ihre Berichterstattung über Ostdeutschland ausgezeichnet wurde, sind die Wahlergebnisse ein Schock. In ihrem neuen Buch »Es war einmal ein Land« (Aufbau), versucht sie Erklärungen zu finden und erzählt: »Warum sich der Osten von der Demokratie verabschiedet«.


10.03.2026 | Literatur in Hamburg
Lukas Rietzschels neuer Roman »Sanditz«

Gesellschaftspanorama mit Bruchkante

Lukas Rietzschel, Foto: Alexandra Polina
Er ist ein Shooting Star der jungen deutschen Gegenwartsliteratur. Schon sein Debüt »Mit der Faust in die Welt schlagen« (2018) war ein Bestseller, der für das Kino verfilmt wurde. Nach »Raumfahrer« (2021) legt Lukas Rietzschel nun mit »Sanditz« (DTV) seinen dritten Roman vor. Er spielt im ländlichen Sachsen und damit in einer Gegend, in der eine berühmte Sagengestalt zu Hause ist: Krabat. Zum Auftakt des Romans haben seine Müllerburschen einen furiosen Gastauftritt, um den Geist der Vergangenheit vom Sockel zu stürzen..


10.03.2026 | Literatur in Hamburg
Dana von Suffrins »Toxibaby«

Der böse Katzenfisch

Dana von Suffrin, Foto: Gunter Glücklich
In ihrem neuen Roman »Toxibaby« (Kiepenheuer und Witsch) erzählt Dana von Suffrin eine beinahe klassische Liebesgeschichte, nur dass sie etwas anders verläuft als die landläufige Vorstellung davon. Es geht um eine Beziehung, die alles erfüllt, was eine große Liebe ausmacht, sie bietet Rettung, Erkenntnis und Erlösung, aber leider immer nur bis zur nächsten Trennung. Ein gnadenloses On/Off-Beziehungstheater zwischen Höhenflug und Absturz, erzählt mit viel Sinn für Situationskomik und einer großen Portion Humor.


27.02.2026 | Literatur in Hamburg
Navid Kermanis »Sommer 24«

Das Erwartbare kennen, das Unerwartete finden

Navid Kermani
Navid Kermani, Foto: Peter-Andreas Hassiepen
Schon in dem sehr persönlichen Band »Wenn sich unsere Herzen gleich öffnen« mit Reden »Über Politik und Liebe«, der im letzten Jahr erschien, thematisiert Navid Kermani die historischen Umbrüche der Gegenwart. Mit »Sommer 24« (Hanser) legt er nun das erzählerische Pendant dazu vor. Es ist ein hochpolitischer Roman, der mit großer Wucht und Offenheit davon erzählt, wie das ist, wenn die veränderte Weltlage die Gewissheiten des eigenen Lebens aus den Angeln hebt.


14.02.2026 | Literatur in Hamburg
Kristof Magnussons neuer Roman »Reise ans Ende der Geschichte«

Der Dichter, der Spion und die Lehrerin

Kristof Magnusson
Kristof Magnusson, Foto: Smilla Dankert
Das Markenzeichen von Kristof Magnusson sind Krisen. Voller ironischer Brechungen und mit viel Sinn für die beiläufige Skurrilität der Ereignisse verknüpft der in Berlin lebende Schriftsteller und Übersetzer die persönlichen Krisen seiner Protagonisten mit den Krisen der Welt. In »Das war ich nicht« ist das die Finanzkrise, in seinem »Arztroman« stehen die Krisen im Emergency Room im Fokus und in »Ein Mann der Kunst« fischt er in den Höhen und Tiefen des Kulturbetriebs. Mit seinem neuen Roman lädt er nun zu einer »Reise ans Ende der Geschichte« und damit zu einem Epochenbild der Zeit kurz nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Wiedervereinigung. Es ist eine furiose Agent:innensatire.


31.01.2026 | Literatur in Hamburg
Nefeli Kavouras und ihr Debütroman »Gelb, auch ein schöner Gedanke«

Die Jahre ohne Details

Nefeli Kavouras
Nefeli Kavours, Foto: Stephan Obel
In der Hamburger Literaturszene ist Nefeli Kavouras seit vielen Jahren ein Kraftzentrum mit Wechselwirkungen in alle Richtungen. Die in Bamberg geborene Kulturwissenschaftlerin kuratiert das Literaturprogramm der »altonale«, arbeitet für den mairisch Verlag, führt zusammen mit Anselm Neft den Literaturpodcast »laxbrunch« und sie moderiert und organsiert regelmäßig Lesungen. Als Autorin wurde sie vor zwei Jahren für einen Auszug aus ihrem ersten Roman mit dem Hamburger Literaturpreis ausgezeichnet. Jetzt ist ihr Debüt bei Kiepenheuer & Witsch erschienen: »Gelb, auch ein schöner Gedanke«.


31.01.2026 | Literatur in Hamburg
Farhad Shwoghis neuer Gedichtband

Poetische Fassungen des Sagbaren

Farhad Showghi
Farhad Shwoghi, Foto: Steffen Baraniak
Es gehört zum Feinsten, was die Dichtung der Gegenwart zu bieten hat: Wer sich mit Farhad Showghi auf eine Reise in »Die nähere Umgebung« (kookbooks) begibt, wird mit wunderbaren Variationen der Vergegenwärtigung in einem ganz eigenen Sound belohnt. Der für seine Dichtung vielfach ausgezeichnete Hamburger Arzt und Dichter entwickelt in seinem neuen Gedichtband eine unverwechselbare Choreografie für die Routinen des Alltags: beinahe magisch.


31.01.2026 | Literatur in Hamburg
Mia Oberländers »Saloon«

Familiensache

Mia Oberländer
Mia Oberländer, Foto: Alexandra Polina
Schon für ihr Debüt »Anna« erhielt die Hamburger Zeichnerin und Illustratorin 2021 den Jugendliteraturpreis und den Comicbuchpreis der Berthold-Leibinger-Stiftung. Anfang Januar hat Mia Oberländer nun mit der opulent ausgestatteten, in der Edition Moderne erschienenen Graphic Novel »Saloon – Das ist Familiensache« nachgelegt. Erzählt wird die Geschicht einer ziemlich durchgeknallten Familienfeier.


15.01.2026 | Literatur in Hamburg
Leïla Slimanis »Trag das Feuer weiter«

Auf der Suche nach der verlorenen Erinnerung

Leila Slimani
Leïla Slimani, Foto: Francesca Mantovani für Èditions Gallimard
Sie ist eine der wenigen Frauen, die in der über 100-jährigen Geschichte des Prix Goncourt mit dem wichtigsten französischen Literaturpreis ausgezeichnet wurden: Leïla Slimani, 1981 in Rabat geboren und aufgewachsen, gilt heute als eine der wichtigsten Stimmen Frankreichs und ist ein literarischer Weltstar. Mit dem psychologischen Thriller »Dann schlaf auch du« (2017) wurde die französische-marokkanische Schriftstellerin international bekannt. In diesem Januar ist mit »Trag das Feuer weiter« in der Übersetzung von Amelie Thoma der Abschluss ihrer großen, an ihre eigene Familiengeschichte angelehnte Trilogie »Das Land der Anderen« erschienen.


30.11.2025 | Literatur in Hamburg
Joy Williams Erzählband »Stories 2«

Die Stille im Auge des Orkans

Joy Williams
Joy Williams, Foto: Jonno Rattman
In den USA wird die 1944 in Chelmsford, einer Kleinstadt in Massachusetts, geborene Joy Williams schon lange als große Schriftstellerin gefeiert. Zu ihren Bewunderern gehört die erste Garde der US-amerikanischen Literatur: Jonathan Franzen, Bret Easton Ellies, Don DeLillo, sie alle sind Fans von Williams. In diesem Herbst ist mit »Stories 2« (DTV) ihr neuer Erzählband in der Übersetzung von Julia Wolf in Deutschland erschienen. Es ist eine Sammlung mit Meistererzählungen, die zum Feinsten gehören, was die Literatur unserer Zeit zu bieten hat.


30.11.2025 | Literatur in Hamburg
Nelio Biedermanns Debütroman »Lázár«

Ein vor Jahren geträumter Traum

Nelio Biedermann
Nelio Biedermann, Foto: Ruben Hollinger
Als »Donnerschlag« gefeiert und in mehr als zwanzig Länder verkauft wurde dieser Roman schon, bevor er in diesem Herbst erschienen war: Nelio Biedermann hat mit »Lázár« (Rowohlt Berlin) einen der erfolgreichsten deutschsprachigen Romane der letzten Jahre vorgelegt. Der 22-jährige Schweizer, der in Zürich Germanistik und Filmwissenschaft studiert, ist der Nachfahre einer ungarischen Adelsfamilie. In seinem Roman erzählt er die fiktionalisierte Geschichte seiner Familie in einer Zeit radikaler Umbrüche und Zerwürfnisse in Europa und mit zahlreichen Verweisen auf Klassiker der Weltliteratur.


31.10.2025 | Literatur in Hamburg
Linn Ullmanns »Mädchen 1983«

Sehen, sich erinnern, verstehen

Linn Ullmann
Linn Ullmann, Foto: Kristin_Svanæs-Soot
Linn Ullmann blickt mit ihrem neuen Roman »Mädchen, 1983« auf eine Episode ihres Lebens zurück. Es ist ein hochpoetischer und streng durchkomponierter Roman über eine Ermittlung, mit der man sagen kann: »Das ist es, was die Lebenden tun – sehen, sich erinnern, verstehen, eine Linie ziehen, eine Geschichte erzählen.«