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Montag, 07.05.2018


Lesung

Warten auf eine Nachricht

Johann Scheerer
Johann Scheerer, Foto: Matthias haslauer
Es war einer der spektakulärsten Kriminalfälle der letzten Jahrzehnte in Deutschland, und im Frühjahr 1996 über Wochen Stadtgespräch in Hamburg – hinter vorgehaltener Hand und obwohl kein Wort darüber in der Zeitung stand. Nach der Freilassung von Jan Philipp Reemtsma war die Presse dann voll mit Berichten über die Entführung. Die Deutungshoheit hat sich der Germanist und
Gründer des Hamburger Instituts für Sozialforschung mit seinem Buch »Im Keller« (1997) sehr schnell zurückerobert. Sein Sohn, der Musiker und Produzent Johann Scheerer, erzählt »Die Geschichte einer Entführung« in seinem vielgelobten, so spannenden wie berührenden Buch »Wir sind dann wohl die Angehörigen« nun aus der Perspektive des damals 13-Jährigen.


Für Johann ist von Anfang an klar, dass man seinen Vater ermorden würde. »Man wird entführt, dann zahlt man, dann wird die Geisel ermordet«. Doch bis es soweit ist, muss er mit seiner Mutter, Freunden und Polizisten, die das Haus belagern, für so viele Tage ausharren, dass sie »in ihrer unvorstellbaren Langsamkeit unzählbar« werden. Sein Vater schickt ihm aus seinem Kellerverließ die Aufgabe, jeden Tag um 17.00 Uhr gleichzeitig mit ihm in der »Chronik des 20. Jahrhunderts« zu lesen und »Langweilig« zu spielen, einen Song von »Die Ärzte«. Es sind Vorschläge, die ins Leere laufen, die Langeweile wird nur von Momenten großer Angst und Panik unterbrochen. Und als das Warten auf eine schlechte Nachricht dann doch glücklich endet, mündet es in der Gewissheit, »Unaussprechliches« erfahren zu haben, das nie wieder gut wird. Johann Scheerer hat dem 13-jährigen Jungen, der die Entführung miterleben musste, eine Stimme gegeben, die klug und ohne jede Larmoyanz berichtet, was geschehen ist. Das Trauma selbst lässt sich nicht ausräumen, aber »die rauschende, unfassbare Stille« danach hat einen jetzt anderen Klang.

Literaturhaus, Schwanenwik 38, 19.30 Uhr, € 12,–/8,–


Lesung

»Der vergessene Krieg«

Der Regisseur und Intendant Ulrich Waller hat 2015 unter dem Titel »Der vergessene Krieg. San Gusmè und das Theater der Erinnerung« einen Dokumentarfilm geschaffen, der sich mit der Aufarbeitung des am 4. Juli 1944 von deutschen Soldaten der Division »Hermann Göring« verübten Massakers im toskanischen Dorf San Gusmè befasst. Die Freie Akademie der Künste in Hamburg zeigt den 88-minütigen Film am Vorabend des sich jährenden Kriegsendes. Ulrich Waller gibt eine Einführung, der Historiker Calo Gentile und Adriana Altaras, eine der Hauptdarstellerinnen, führen nach der Filmvorführung ein Gespräch.

Freie Akademie der Künste, Klosterwall 23, 19.00 Uhr, € 8,–/5,–