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Dienstag, 19.02.2019


Lesung mit Birgit Vanderbeke

Auszeit in Bölls Cottage

Birgit Vanderbeke
Birgit Vanderbeke, Foto: Julian Vanderbeke
Ihr furioses Debüt, die Erzählung »Das Muschelessen« (1990), mit der sie in Klagenfurt beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb gewann und die bis heute Schullektüre ist, führt mitten hinein in die Abgründe einer deutschen Nachkriegsfamilie. Birgit Vanderbeke hat seitdem fast im Jahresrhythmus nachgelegt: Ein Bestseller wurde »Alberta empfängt einen Liebhaber« (1997), als Persiflage auf das linksliberale Bürgertum kann man den Roman »Das lässt sich ändern« (2011) lesen, als Öko-Roman »Der Sommer der Wildschweine« (2014). Die Kritik ist der vielfach ausgezeichneten Autorin zuletzt nicht immer mit Wohlwollen gefolgt. Geändert hat sich das mit der Trilogie, die in dem soeben neu erschienenen Band »Alle, die vor uns da waren« ihren Abschluss findet. Birgit Vanderbeke ist damit zurückgekehrt in den familiären Kosmos, von dessen monströsen Entgleisungen sie mit so großer Klarheit und lakonischem Witz erzählt wie kaum eine andere Autorin in der deutschen Gegenwartsliteratur.

Der Auftaktband heißt »Ich freue mich, dass ich geboren bin« (2016), er erzählt die Geschichte einer Familie, die aus Ostdeutschland ins »Land der Verheißung« flieht und von einem siebenjährigen Mädchen, für das die Welt in Ordnung ist, bis es ihren zuvor meist abwesenden Vater kennenlernt: »Das Kennenlernen fing mit den Händen an und der Rest kam hinterher, und es war sehr unheimlich, weil es dunkel war und ich noch nicht sprechen konnte.« Die siebenjährige Ich-Erzählerin flieht aus der gewalttätigen Gegenwart in eine magische Kindheit und konstruiert sich ein erwachsenes Ich, das ihr zur Seite steht. Im Folgeband »Wer dann noch lachen kann« (2017) sind Vergangenheit und Gegenwart miteinander verwoben. Wir begegnen einer Heldin, die durch einen Autounfall und dadurch ausgelöste chronische Schmerzen auf Ereignisse in ihrer Kindheit zurückgeworfen wird. Sie sind der eigentliche Grund für ihr Leiden in der Gegenwart. Nach und nach erfährt man von den Schrecken einer Kindheit, in der Gewalt zum Alltag gehörte. Damals war die Erzählerin sich sicher, dass es niemanden gibt, der an ihrer Seite steht. An dieser Stelle der »in scheinbar kindlich naiver Sprache« (»Nürnberger Nachrichten«) erzählten Ereignisse setzt der dritte Band der Trilogie »Alle, die vor uns da waren« ein.
Die Erzählerin, mittlerweile selbst Großmutter, reist mit ihrem Mann für einen Stipendienaufenthalt in Heinrich Bölls Cottage nach Irland. Auf Achill Island an der Küste von Mayo gibt es kein Internet und noch nicht einmal einen Laden, in dem sie sich mit den Grundnahrungsmitteln versorgen können, aber von Anfang an die Gewissheit, dass in diesem von der Zerrissenheit der Familie geprägten Leben doch immer jemand da war, der aufpasste. Plötzlich sind ganz selbstverständlich all jene anwesend, die, trotz aller Verletzungen, Familie sein können, auch wenn die Welt dann für einen Moment den Atem anhalten muss: Oma Maria, aber auch »der Gerhard Zwerenz«, »der Böll« und »die Helga«. Sie können zwar nichts mehr daran ändern, was geschehen ist, aber ihre Anwesenheit macht Mut, für das, was kommen wird.

Buchhandlung Heymann in Blankenese, Erik-Blumenfeld Platz 27,
19.30 Uhr, € 12, –


Lesung und Gespräch

»Natur im Sinn«

Ludwig Fischer, emeritierter Professor für Neuere deutsche Literatur an der Universität Hamburg, präsentiert beim »Philosophischen Café« im Literaturhaus sein neues Buch, eine »längst fällige, programmatische Schrift über die Grundlagen der literarischen Vergegenwärtigung von Natur« (Matthes & Seitz). Gastgeber: Reinhard Kahl.

Literaturhaus, Schwanenwik 38, 19.00 Uhr, € 12,–/8,–


Lesung

»Märchen am Abend«

Angelika Rischer und andere Märchenerzählerinnen erzählen Märchen für Erwachsene.

Märchenforum Hamburg e.V. im Bürgerhaus Barmbek, Lorichsstr. 28 A, 19.30 Uhr, € 5,–/4,–


»Abiturmatinee«

»Stanišić für die Schule«

Saša Stanišić stellt seinen Roman »Vor dem Fest« im Gespräch mit seinem Lektor Martin Mittelmeier vor. Die »Abiturmatinee« findet als Vorbereitung auf das Deutschabitur in diesem Frühjahr statt.

Literaturhaus und Behörde für Schule und Berufsbildung auf Kampnagel, Jarrestr. 20, 11.00 Uhr, für Schulkassen, € 5,–, Anmeldung unter
Tel.: 040-22 70 20 14, weitere Lesung: 20.2., 11.00 Uhr