Veranstaltungen

Donnerstag, 19.09.2019


Lesung mit Karen Köhler

Alles ist da und alles ist anders

Foto: Karen Köhler, Christian Rothe
»Miroloi«, das ist die Bezeichnung für ein in der Tradition der griechisch-orthodoxen Kirche gedichtetes und gesungenes Totenlied über das Schicksal eines Verstorbenen. In 128 Strophen erzählt die Hamburger Schriftstellerin, Dramatikerin und Schauspielerin Karen Köhler in ihrem neuen Roman so ein »Miroloi« (Hanser Verlag) und katapultiert uns mit ihm mitten hinein in das patriarchale Herrschaftssystem einer auf den ersten Blick sehr fernen, sehr fremden und archaischen Welt gleich nebenan. In der Buchhandlung Klauder stellt Karen Köhler ihren Roman vor.

Man nennt sie »Dievondrüben«, »Erntevernichterin« oder gleich »Eselstochter«, und wann immer das Dorf von einem Unglück heimgesucht wird, ist sie es, der man die Schuld daran gibt. Aufgewachsen ist sie beim »Bethaus-Vater«, der sie in einem Bananenkarton gefunden und gegen alle Widerstände des Dorfes bei sich behalten, ihr aber keinen Namen gegeben hat, weil das die Gesetze verbieten. »Meinmächen« nennt er auch noch die Sechzehnjährige, die einen richtigen Namen haben, Lesen und Schreiben lernen möchte, obwohl es die heiligen Gesetze verbieten. Nach und nach entsteht durch die kurzen Strophen, in denen dieses Mädchen in »Miroloi« vom Leben in dem Dorf auf einer entlegenen griechischen Insel erzählt, das Bild einer abgeschirmten, patriarchalen Gemeinschaft, die völlig aus der Zeit gefallen zu sein scheint.

Es gibt einen Müller, einen Tischler, einen Töpfer und einen Weber, es gibt einen einäugigen Imker, Hirten, einen Einsiedler und die Betmänner, die mit ihren Schülern in einer Einsiedelei in der Nähe leben. Ab und zu kommt ein Schiff mit einem Händler vorbei, der im Tausch gegen Olivenöl und Schnaps anbietet, was das Dorf selbst nicht erzeugt: Kaffee, Zucker, Bananen, aber auch Brillen und künstliche Gebisse für die Alten, Schuhe, Tinte, Papier und Töpfe. Vieles ist es nicht, das der Ältestenrat, der die Gesetze macht, passieren lässt, die Stromversorgung, die ein Beamter eines Tages ankündigt, wird einstimmig abgelehnt, obwohl die Frauen durchaus aufmerken als sie von Geräten hören, die Wäsche waschen und einem Ofen, der mit Strom funktioniert. Hätten sie da nicht viel mehr Zeit, um im Schatten zu sitzen, Schnaps zu trinken und die Betperlen zu zählen, so wie es die Männer tun? Am Ende werden sie in die Schranken gewiesen: »Euer Platz ist da, wo er ist: im Haus, im Garten und auf dem Feld. So war es immer und so wird es bleiben«. Die Religion dient mit ihren Regeln und Vorschriften vor allem der Unterdrückung der Frauen, denen weder Bildung noch Mitbestimmungsrechte zugestanden werden. Gewalt und sexueller Missbrauch der Frauen sind alltäglich und werden stillschweigend geduldet. Als der »Bethaus-Vater« sich dann doch dazu überreden lässt, sie zu unterrichten, ist es für sein Mädchen nur der erste Akt der Befreiung aus einer Welt, in der so eine »nicht vorgesehen« ist.

Es sei ihr mit ihrem Roman wichtig gewesen, auf diese Welt und ihre Missstände zu reagieren, hat Karen Köhler in einem Podcast zum Erscheinen gesagt, und das ist ihr mit »Miroloi« ganz wunderbar gelungen. Der Roman spielt zwar auf einer fernen Insel und in einer für uns fernen Zeit, doch die Strukturen, denen ihre Heldin ausgesetzt ist, sind für viele Frauen noch immer alltäglich. Bis heute sind die großen politischen Fragen verknüpft mit Fragen der Geschlechtergerechtigkeit, es geht um Bildung, Gesundheit und um den Schutz vor sexuellen Übergriffen. Um all das geht es auch in »Miroloi«. Karen Köhlers Roman ist zum »Erkennen da«, öffnet aber auch ein poetisches Fenster zu einer Welt gleich nebenan, er ist Emanzipationsgeschichte und gleichzeitig verspieltes Sprachtheater, das von der Lust am Erzählen lebt. Ein großartiger Roman.

Buchhandlung Klauder, Duvenstedter Damm 41, 20.00 Uhr, € 10,–


Lesung mit Harald Martenstein

»Best of Martenstein«

Harald Martenstein
Harald Martenstein, Foto: Bertelsmann Verlag
Seine Kolumnen sind so vielseitig wie es das Leben vorschreibt. Und witzig, nachdenklich, sarkastisch, skurril, manchmal wütend, das sind sie auch. Nett ist der vielfach preisgekrönte ZEIT-Kolumnist und Romanautor Harald Martenstein dagegen nicht, in seinen Kolumnen, sucht er stets eher einen Standpunkt, von dem aus er Widerspruch provozieren kann. Ob es um politische Korrektheit, um Migration, Feminismus oder um scheiternde Utopien geht: Angst davor, sich unbeliebt zu machen hat er nicht. Und ist damit ein großartiges »Beispiel dafür, wie eine produktive Debattenkultur aussehen sollte. Sie gehört in Deutschland mittlerweile zu den bedrohten Arten«, wie es im General-Anzeiger Bonn hieß.
Harald Martenstein präsentiert im Literaturhaus ein »Best of« seiner Kolumnen.

Literaturhaus, Schwanenwik 38, 19.30 Uhr, € 14,–/10,–


Lesung

»sonne geschlossener wimpern mond«

Dirk Uwe Hansen liest aus seinem Gedichtband.

Literarisches Café im Christianeum, Otto-Ernst-Str. 34, 19.30 Uhr


Lesung

»Jenseits der Westerwelt«

Der Autor und Reisejournalist Wolf-Ulrich Cropp liest aus seinem neuen Buch über das Leben der Menschen in Niger.

Literaturzentrum im Kulturhaus Serrahn Eins, Serrahnstr. 1, 19.30 Uhr, € 8,–/6,–


Lesung Kjersti A. Skomsvold

»Meine Gedanken stehen unter einem Baum und sehen in die Krone«

Kjersti A. Skomsvold
Kjersti A. Skomsvold, Foto: Agnete Brun
Die norwegische Schriftstellerin Kjersti A. Skomsvold liest aus ihrem neuen Roman, einer so besonderen wie humorvollen Reflexion: Eine Mutter erzählt ihrer neugeborenen Tochter, wie es zu ihrer Geburt kam und wie sie es überhaupt wagen konnte, ihr Leben mit einem Mann, dem Vater des Kindes zu teilen, ein Kind zu bekommen und damit das bisher Wichtigste in ihrem Leben aufs Spiel zu setzen: das Schreiben. Den deutschen Text liest Marie Biermann. Moderation: Thomas Böhm.

Harbour Front Literaturfestival in der Zentralbibliothek der Hamburger Öffentlichen Bücherhallen, Hühnerposten 1, 20.00 Uhr, € 15,–


Lesung

»Verortungen«

Die katalanische Erfolgsautorin Llucia Ramis liest aus ihrem neuen Roman. Moderation: Michael Ebmeyer. Deutscher Text: Laura de Weck.

Harbour Front Literaturfestival auf der Cap San Diego, Luke 4, Überseebrücke, 20.30 Uhr, € 15,–


Lesung

»Rückwind«

Burkhard Spinnen liest aus seinem neuen Roman. Moderation: Stephan Lohr.

Harbour Front Literaturfestival auf der Cap San Diego, Luke 5, Überseebrücke, 20.00 Uhr, € 15,–


Lesung

»Der schlaflose Cheng«

Heinrich Steinfest liest aus seinem neuen Kriminalroman. Moderation: Denis Scheck.

Harbour Front Literaturfestival in der St. Katharinen Kirche, Katharinenkirchhof 1, 19.00 Uhr, € 18,–


Lesung

»Der Store«

Der amerikanische Schriftsteller Rob Hart liest aus seinem neuen Roman. Moderation: Daniel Haas, NZZ. Deutscher Text: Anneke Kim Sarnau.

Harbour Front Literaturfestival in der Kühne Logistics University – The KLU, Großer Grasbrook 17, 20.00 Uhr, € 16,–


Lesung

»Es wird Zeit«

Buchpremiere mit Ildikó von Kürthy, die ihren neuen Roman in einer Leseshow zusammen mit Bettina Tietjen vorstellen wird.

Ernst Deutsch Theater, Friedrich-Schütter-Platz 1, 20.00 Uhr, € 20,–/10,–


Lesung

»Ich habe jetzt genau das richtige Alter. Muss nur noch rauskriegen, wofür«

Adrienne Friedlaender liest aus ihrem Buch.

stories! im Falkenriedquartier, Straßenbahnring, 17.00 Uhr, € 5,–, anmeldungen@stories-hamburg.de


Poetry Slam

Im Dunkeln

Poetry Slam, bei dem nur die Stimme und das Gehör zählen.

Kampf der Künste bei »Dialog im Dunkeln«, Alter Wandrahm 4, 19.00 Uhr, € 25,–


Poetry Slam

»Hunting Words«

Der Poetry Slam in Ottensen lehnt sich an den Hunting Wettbewerb beim Bogenschießen an: Nach der Vorrunde gibt es eine Endrunde mit den drei bestplatzierten Teilnehmern, die dann aber nur noch `einen Pfeil´ haben, nämlich einen Text von 2 Minuten. Moderation: Helene Bockhorst und Melanie Sengbusch.

Mathilde Bar, Kleine Rainstr. 11, 20.15 Uhr, € 6,–


Lesung

»Offene Lesebühne«

Wer einen Text vorlesen möchte, lässt sich bis 19.15 Uhr vor der Veranstaltung im Bistro Roth auf die Leseliste setzen. Vorlesezeit: 10 Minuten. Special Guest. Moderiert wird die Veranstaltung von Autoren der Textfabrique 51.

Motte, Eulenstr. 43, 19.30 Uhr.