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Donnerstag, 22.11.2018


Lesung mit Steven Uhly

Erfundene Wirklichkeit

Steven Uhly
Steven Uhly, Foto: Mathias Bothor
Wird hier ein Krimi erzählt, ist es ein Roman oder die fintenreiche Recherche auf den Spuren eines literarischen Meisterwerks? Steven Uhly, der mit »Den blinden Göttern« seinen sechsten Roman vorlegt, versteht es glänzend, Verwirrung zu stiften, unsere Einbildungskraft zu beflügeln, und es gelingt ihm, seine Leser dabei auch noch gut zu unterhalten. Was ist Dichtung und was Wahrheit, das ist hier die Frage, die am Ende mit der Behauptung, dass das Leben »nichts anderes« sei als »Verdunklung« nur ausgehalten, aber nicht beantwortet werden kann. Steven Uhly führt mit jeder möglichen Antwort auf eine weitere Fährte, die so richtig wie falsch ist und erklärt damit die Wirklichkeit für seinen Roman meisterhaft zu dem, was sie ja tatsächlich ist: ein Konstrukt. Steven Uhly liest in der Buchhandlung Lüders aus seinem Roman.

Ein Stadtneurotiker und Eigenbrötler, der als Buchhändler im familieneigenen Betrieb arbeitet, das ist Friedrich Keller, sein Spezialgebiet: Lyrik. Wir begegnen ihm am Anfang des Romans mit seiner Putzfrau Elvira, der einzigen Person, die sein Haus betritt. Beim Putzen in seiner Bibliothek segelt ihr aus einem der Regale ein Blatt Papier entgegen, das sie prompt an »Cherrr Federico« weiterreicht. Auf dem Blatt steht »Den blinden Göttern« und der Autorenname des Manuskripts in seinem Regal: Radi Zeiler. Für Friedrich wird dieses Manuskript zum Buch der Bücher, er liest es in den kommenden Jahren immer wieder. Überreicht hat es ihm der Dichter Zeiler selbst und bleibt verschwunden, bis er eines Tages verwahrlost und betrunken an Keller vorbei und in das Wirtshaus »Zum heißen Sporn« schwankt. Damit beginnt die radikale Dekonstruktion, die Uhly seinen Helden erfahren lässt. Nichts ist mehr sicher in diesem »Schicksalspiel«, in dem Keller bald schon selbst als verwahrloster Dichterfürst im Alkoholnebel am Tresen aufwacht, sein gesamtes Leben wird zu einem Szenario ungewisser Annahmen, die sogar den Vatermord und radikale Geschwisterrivalitäten durchspielen. Was ihm bleibt, steht am Ende des Bandes, es ist eine Sammlung von Gedichten, deren Autor nur als Schatten sichtbar wird: »Ich habe / meinen inneren / Schatten gesehen / nur ganz kurz // als das Licht / der Wahrheit / günstig fiel / und ich erkannte // wer ich / im Versuch / zu sein / geworden war: // meine eigene / Verdunklung.«

Buchhandlung Lüders, Heußweg 33, 20.00 Uhr, € 8,–


Lesung

»Mexikoring«

Simone Buchholz liest aus ihrem neuen Krimi.

Buchladen Osterstraße, Osterstr. 171, 20.00 Uhr, € 6,–


Lesung mit Delphine de Vigan

»Loyalitäten«

Delphine de Vigan
Delphine de Vigan, Foto: Delphine Jouandeau
Delphine de Vigan liest aus ihrem neuen Roman, der die tief bewegende Geschichte des 12-jährigen Théo erzählt. Nur sein bester Freund Mathis weiß davon, dass Théo heimlich trinkt. Hélène, seine Lehrerin, macht sich Sorgen um den Jungen, findet in den kaputten Strukturen des Schulsystems aber keine Anlaufstelle. Théos Eltern sind geschieden und mit sich selbst beschäftigt, und wer sollte sonst für den Jungen zuständig sein? Delphine de Vigan appelliert mit ihrem »unvergesslichen Buch« (»Version Femina«) daran hinzuschauen und zu handeln und erweist sich einmal mehr als unbestechliche Chronistin menschlicher Missstände. Deutscher Text: Marta Dittrich. Moderation: Judith Heitkamp.

Literaturhaus, NDR Kultur im Literaturhaus, Schwanenwik 38, 19.30 Uhr, € 12,–/8,–


Lesung

»Unter Palmen aus Stahl«

Dominik Bloh liest aus seinem Buch über seine Erfahrungen als Obdachloser.

Fischhalle Harburg, Kanalplatz 16, 19.00 Uhr, € 10,–


»Text und Theke«

»Zürcher Reigen«

Die Schreibgruppe FreitagX nimmt Sie mit auf eine Reise nach Zürich.

Kulturhaus Eppendorf, Julius-Reincke-Stieg 13 a, 20.00 Uhr, € 5,–